Chronik | Wien
01.10.2017

Treffpunkt Wien: Bruschetta & Prosecco für Mama Rose

In der Volksoper ist Maria Happel im Musical "Gypsy" zu sehen, am Rochusmarkt im "Pappa e Ciccia".

Knallorangefarbene Tischdecken, der Duft von Knoblauch und das strahlende Lächeln von Marco Tomassetti. Es ist ein Stück sonniges Italien, das Maria Happel an diesem regnerischen Herbsttag im "Pappa e Ciccia" empfängt.

Es fühle sich jedes Mal wie ein Kurzurlaub an, meint die Schauspielerin, nachdem sie an dem letzten freien Tisch Platz genommen hat. Filialleiter Tomassetti strahlt noch mehr. Genau das war seine Intention, als er vor fünf Jahren das kleine, kuschelige Lokal am Rochusmarkt übernommen hat. Die Produkte, die Getränke, alles komme aus Italien, versichert der Römer, bevor er Maria Happels Bestellung entgegennimmt. Als Vorspeise: Bruschetta: "Wie immer", sagt sie und lacht. Die haben es ihr angetan.

Langer Weg zur Musik

Angetan, das war sie schon als Mädchen vom Singen. Ursprünglich hatte sie ja Kirchenmusik studieren wollen. Aber dann musste sie erkennen, dass der Weg in den vorderen Bereich der Kirche, in dem mehr los war, für Frauen ein steiniger war. Dann eben Musical, dachte sie. Aber Menschendarstellungen reizten sie doch mehr und so folgten Theaterengagements in Bremen, Köln und Hannover – bevor Claus Peymann sie 1991 an die Burg nach Wien holte.

Dass sie hier bleiben würde, hätte sie sich damals nicht gedacht. "Es war November und Wien war eine Steinwüste, kalt, trist, und finster", erinnert sie sich. "Außerdem – und das machte die Sache wohl noch schlimmer – hatte ich ein gebrochenes Herz. Ich war mir also sicher, ich würde es maximal ein halbes Jahres aushalten." Aber dann erhellte sich Wien. Denn mit dem Frühling trat ihr heutiger Mann in ihr Leben und sie beschloss, Wien noch eine Chance zu geben. Heute kann sie sich keinen besseren Ort vorstellen.

Und nach 30 Jahren Sprechtheater, ist sie hier doch noch zum Musical gekommen. Nachdem Volksoperndirektor Robert Meyer in London das Musical "Gypsy" gesehen hatte, rief er Maria Happel mit den Worten an: "Ich habe eine Bombenrolle für dich." Wer kann zu so einer Anfrage nein sagen?

Ein wenig gezögert habe sie aber doch, erzählt sie und beißt in eines der knusprigen Bruschetta. Traute sie sich das zu? Schließlich gelten im Musical andere Gesetze als im Sprechtheater. Man muss disziplinierter sein, das Orchester wartet auf ganz bestimmte Wörter, um einzusetzen. Aber Robert Meyer ließ nicht locker – und so ist Maria Happelbis Mitte November auf der Bühne der Volksoper zu sehen. Als karriereorientierte Mama Rose, die keinen sehnlicheren Wunsch hat, als ihre Töchter im Rampenlicht zu sehen. Ob diese das möchten oder nicht.

Selbst gefordert

Findet sie, die selbst zwei Kinder hat, sich in Aussagen wieder? "Ich nicht, aber meine Töchter", antwortet Maria Happel, muss lachen und fährt dann ernster fort: "Das Stück stellt das natürlich überspitzt dar. Aber klar stellt man sich die Frage, wie unterstützt man die Kinder gut, wie fordert man sie, wie fördert man sie. Und dann erwischt man sich, wie man sagt: ,So jetzt spielst du noch eine Stunde Klavier‘, ,Jetzt prüf ich dich noch Vokabeln‘. Und man hofft, dass man sie nicht überstrapaziert hat."

Nicht überstrapaziert, aber stimmlich gefordert fühlt sich Happel von der Musicalrolle schon. Nach den Auftritten an der Burg, geht sie meist noch etwas trinken. Nach "Gypsy" geht es direkt nach Hause. "Dort muss ich meine Stimme schonen und schweigen. Und wer mich kennt, weiß: Das fällt mir sehr schwer." Sie überlegt kurz und ergänzt grinsend: "So gesehen war es wohl nicht so schlecht dass ich die letzten 30 Jahre Sprechtheater gemacht habe."