Chronik | Wien
29.10.2017

Treffpunkt Wien: Auf der Strada del Siam

Im Theater singt Lukas Perman "I am from Austria". Sein Essen hat er am liebsten aus Thailand.

Wenn Lukas Perman im Raimund Theater auf der Bühne steht, blickt er manchmal in den ersten Rang hinauf. Auf den Platz, an dem er als 19-Jähriger zum ersten Mal "Tanz der Vampire" gesehen hat und sich fragte, ob er selbst einmal auf dieser Bühne stehen würde. Fünf Jahre später tat er es: Er erhielt die Hauptrolle im Musical "Romeo und Julia."

Die "Tanz der Vampire"-Eintrittskarte von 1999 hat Lukas Perman immer noch. Während er in der "Thai Isaan Kitchen" in der Gumpendorfer Straße 91 auf sein Mittagessen wartet, kramt er in der Tasche nach seinem Handy und zeigt das Foto eines vergilbten Tickets. Eine Erinnerung, dass Wünsche wahr werden können.

Aber schon verschwindet das Handy samt Ticketfoto; der Kellner kommt mit dem Essen. Die Nummer 50, Phad Pak Bung, Gebratener Wasserspinat mit Reis. Wie immer. Als Backpacker haben Lukas Perman und seine Ehefrau Marjan Shaki viele Teile der Erde mit dem Rucksack bereist. Die südostasiatische Küche hat es Lukas Perman am meisten angetan, die wollte er auch in Wien nicht missen. Denn vor allem seit die beiden eine kleine Tochter haben, hat das mit dem Reisen – vorerst, wie er betont – ein wenig abgenommen.

Reis statt Silber

Die "Thai Isaan Kitchen" hat Walter Waldstätten mit seinem thailändischen Partner Suwan Sansuck vor achteinhalb Jahren eröffnet. "Wir hatten von Gastronomie ja keine Ahnung", gibt Waldstätten zu, der neben Lukas Perman Platz genommen hat. "Wir waren vor 30 Jahren einer der ersten, die in Europa modischen Silberschmuck aus Thailand verkauft haben." Als das Geschäft abflaute und sie auf Messen in Deutschland über den Aufstieg von Thai-Imbissen erfuhren, beschlossen sie, doch das auszuprobieren.

Es sollte die richtige Entscheidung sein. Vom ersten Tag an war das Lokal voll, der Koch kam mit dem Zubereiten kaum nach, und nach einer Woche erkannte Waldstätten, dass es unsinnig war, nur eine Flasche Chiliöl zu besorgen. Er besorgte sie fortan kistenweise.

Das Gute an der "Thai Isaan Kitchen" für Lukas Perman: Das Raimund Theater ist nur wenige Gehminuten entfernt. Denn dort steht der Künstler derzeit wieder auf der Bühne: Für das Fendrich-Musical"I am from Austria".

"Seit ich das erste Mal die Gerüchte gehört habe, dass so ein Musical kommt, hab’ ich gehofft, dass es eine Rolle für mich gibt", sagt Lukas Perman. Nun spielt er den Josi Edler, den Hotelierssohn des fiktiven Traditionshotels "Edler", der durch den Aufenthalt eines Hollywoodstars ein wenig aus dem Konzept gebracht wird.

Das Gute-Laune-Stück

Die größte Herausforderung: Eine Aufführung auf der Probebühne. "Der Publikumsbereich ist dabei sehr nahe der Bühne, fast schon bedrohlich. Als Künstler ist man jedenfalls sehr ungeschützt. Einmal ist dann Rainhard Fendrich im Publikum gesessen", erzählt Lukas Perman und muss beim Gedanken daran schlucken. "Aber ich dachte mir, wenn ich das überlebe, kann nix mehr passieren." Und Fendrich gab dann ja auch seinen Segen. Natürlich gab es dann noch die Frage, ob Lieder, die jeder Österreicher im Ohr hat, als Musicalversion angenommen werden würden. Aber die Sorge war unbegründet. "Von der Generalprobe war ich selbst überrascht. Das Feedback war fantastisch."

Lokalchef Walter Waldstätten nickt. Er hat das Stück unlängst gesehen, sich nicht viel erwartet – und war begeistert.

Die Stimmung, die gute Laune, das wirkt sich auch auf die Psyche die Darsteller aus. "Es macht einen Unterschied, ob man wochenlang eine tragische Rolle wie den Romeo spielt, oder ob man in einem Musical mitwirkt, bei dem am Ende meist das gesamte Publikum steht und ekstatisch mitsingt", sagt Lukas Perman. "Ich habe noch nie so viel Energie bekommen, wie durch dieses Engagement." Wenn sich noch ab und an ein Phad Pak Bung ausgeht, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.