Chronik | Wien 05.12.2011

Tränengas-Test im Gefängnis: Frau verletzt

© Bild: KURIER /Gnedt Martin

Bei der Vorführung eines Reizgas-Werfers wurde 2010 eine Krankenschwester schwer verletzt. Laut "News" wurde versucht, den Vorfall zu vertuschen.

Eine Vorführung samt Einsatz von Reizgas ist im vergangenen Jahr in der Wiener Justizanstalt Josefstadt gründlich daneben gegangen. Eine Frau wurde dabei offenbar schwer verletzt. Danach sei versucht worden, den Zwischenfall zu vertuschen - das berichtet das Magazin News. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Konkret geht es um eine Produktvorführung, die im Mai 2010 mit Genehmigung der Vollzugsdirektion stattfand. Dabei sollte der Reizgaswerfer TB09D vorgeführt werden. Die Übungsannahme laut News: Ein Insasse randaliert und hat sich im Haftraum verbarrikadiert. Durch die "Speiseklappe" an der Tür sei darauf CS-Gas in den Raum gesprüht worden.

Seit einem Jahr im Krankenstand

Die Versuchsperson - ein Justizwachebeamter, der sich als Versuchsperson zur Verfügung stellte - habe allerdings nach zehn Sekunden einen "totalen Atemverlust" erlitten. Deshalb habe man eine Krankenschwester herbeigerufen. Die nicht über den Versuch informiert gewesen sein soll. News: "Sie wurde schwer verletzt, befindet sich seit einem Jahr im Krankenstand und hat neben körperlichen Verletzungen auch posttraumatische Belastungsstörungen, eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, Angst- und Panikstörungen sowie einen Hörverlust erlitten."

Der kolportierte Grund für die Verletzungen: Laut dem Bericht verfügte der Reizstoffwerfer über keine Dosier- oder Messanlage für die Menge des abgegebenen CS-Gases, auch die Kubatur des Raumes wurde nicht berechnet.

Laut dem Magazin soll später versucht worden sein, den Vorfall zu vertuschen: In einem Einsatzbericht sei demnach zunächst behauptet worden, es habe keine Verletzten gegeben; danach, dass die Krankenschwester bei der Vorbesprechung anwesend gewesen sei. Ein dabei angefertigtes Video sei "nachbearbeitet" worden.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit, wie deren Sprecher Thomas Vecsey am Mittwoch bestätigte. Man versuche, den Sachverhalt zu klären. Es gebe polizeiliche Erhebungen, zwei Gutachtenaufträge seien erteilt worden, sagte der Behördensprecher. Vorläufig liegen diese Expertisen zu den Verletzungen der Frau nicht vor.

Der stellvertretende Leiter der Vollzugsdirektion, Peter Prechtl bestätigte, dass die Krankenschwester sich im Krankenstand befindet, die anderen Beteiligten hätten keine Probleme gehabt. Zum Verdacht der Vertuschung des Vorfalls äußerte sich Prechtl unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht. Der Reizgaswerfer sei nicht in Verwendung, Tränengas sei durch Pfefferspray ersetzt worden.

Erstellt am 05.12.2011