© HANS PETER SCHAFFER

Schmiergeld-Affäre im Häfen
03/22/2013

"Sauerei": Top-Anwalt schlägt zurück

Werner Tomanek behauptet, die Polizei schmuggle Handys ins Gefängnis.

von Ricardo Peyerl

Das Rätselraten hat ein Ende. Der Top-Strafverteidiger, der verdächtigt wird, Justizwachebeamte geschmiert zu haben, heißt: Werner Tomanek. Der Anwalt outete sich am Freitag selbst, wies die Anschuldigungen von sich und klagt die Staatsanwaltschaft der Untätigkeit an. Im gesamten Akt gebe es keinen Anhaltspunkt für Erhebungen in seine Richtung, trotzdem sei das Verfahren nach sechs Monaten immer noch nicht eingestellt: „Eine Sauerei! Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“ (siehe Interview unten).

Dass es wieder einmal Tomanek erwischt hat, verwundert seine Kritiker nicht. Wie er selbst zugibt, hat er sich mit den falschen Leuten eingelassen. Und sich mit seinen flotten Sprüchen keine Freunde gemacht. Kostprobe: „Staatsanwälte schießen oft aus der Hüfte, das ist hart am Amtsmissbrauch.“ Oder: „Verbrechen macht sich nicht bezahlt? Papperlapapp! Die Reichen können es sich richten, auch vor Gericht.“

Auch im Häfen? Das ist der vomFalterpublik gemachte Vorwurf, der von einer Justizwachebeamtin erhoben wurde und Tomanek um die Ohren fliegt. Der Anwalt soll Justizwachebeamte bezahlt haben, damit die seine Klienten mit Handys und Drogen versorgen.

Streng verboten

In seinem Ende vergangenen Jahres erschienenen Buch „Die Zwei-Klassen-Justiz“ schreibt Tomanek: „Mit Geld kann ein Inhaftierter einige Bedürfnisse stillen.“ Er schreibt aber auch: „Gleichzeitig bleibt ein guter Verteidiger auch immer Realist. Er verspricht kein mobiles Internet und auch kein Handy, weil beides streng verboten und unmöglich lieferbar ist.“

Zumindest nicht durch ihn, sagt Tomanek: „Es ist aber amtsbekannt, dass man im Häfen alles kriegt.“ Der Anwalt behauptet sogar, dass Handys im Auftrag der Polizei eingeschleust werden, damit man dann die Telefonate abhören kann. So bekomme die Justiz mit, was unter den Häftlingen läuft. „Genau mit dieser Methode hätte man auch in meinem Fall vorgehen müssen“, sagt Tomanek: „Dann hätte man das in 14 Tagen ermittelt gehabt oder eingestellt.“

Der Akt Tomanek zur Geschäftszahl 209St229/12x, der dem KURIER vorliegt, ist ein Musterbeispiel für laxe Ermittlungstätigkeit. Im Oktober 2012 gab eine Justizwachebeamtin zu Protokoll, wie das „System“ in der Haftanstalt Josefstadt funktioniere: „Tomanek weiß, welche Beamte für welche Waren zuständig sind.“ Drei namentlich genannte Beamte würden sich nach Lieferung der gewünschten Waren in der Anwaltskanzlei Kuverts mit Schmiergeld abholen (oder als Belohnung von weiblichen Gefangenen Liebesdienste einfordern). Das ist die einzige Stelle im Akt, an der Tomaneks Name fällt. Die Insassinnen, die vom Schmuggel profitiert haben sollen, wurden nie von Tomanek anwaltlich vertreten. Eine Gefangene sagt in ihrer Einvernahme, das Kokain werde in Kaffeehäferln verwahrt. Spürhunde fanden keine Spuren von Suchtgift. Und ein Justizwachebeamter weist die Vorwürfe „als absurd“ zurück. Darin erschöpft sich das bisherige Ermittlungsergebnis.

Angeklagt

2008 hatte Tomanek – der mit der Verteidigung des Sängers Tony Wegas berühmt geworden war und zuletzt die Doppelmörderin Estibaliz Carranza vor Gericht vertreten hat – unfreiwillig schon einmal die Seiten gewechselt: Zuerst vom Strafverteidiger zum Opfer eines Verbrechens, als jemand seine Wohnung abfackelte. Dann fand er sich auch noch auf der Anklagebank wieder, als man ihn bezichtigte, den Brand in Auftrag gegeben und Versicherungsbetrug begangen zu haben. Der Vorwurf erwies sich als haltlos, Hobby-Kampfsportler Tomanek wurde freigesprochen.

Es bleibt immer was picken

KURIER: Seit über sechs Monaten wird gegen Sie und mehrere Justizwachebeamte ermittelt. Sie haben den Akt vor sich liegen, was ist drin?
Werner Tomanek:
Seit ich den Akt kenne, sind die Vorwürfe noch absurder. Es ist ein doppelter Skandal: Wenn was dran wäre, und es wird nicht mit allen Mitteln wie Abhören, Observation etc. ermittelt, geht das, was da angeblich getrieben wurde, weiter. Und wenn nichts dran ist, und man wartet so lange, bis die Sache öffentlich wird, dann ist das für den Betroffenen ein persönlicher Schaden. Weil es bleibt immer was picken, so unschuldig kannst du gar nicht sein.

Warum wurde nicht zügiger ermittelt oder das Verfahren längst eingestellt?
Durch Unvermögen der handelnden Personen. Dass es aus Gemeinheit geschieht, kann ich mir nicht vorstellen. Obwohl die zeitliche Nähe zum Erscheinen meines Buches schon auffällig ist.

Haben Sie sich das vielleicht selber eingebrockt?
Mir war klar, dass auch mit so etwas zu rechnen ist. Und es bestätigt sich nachträglich vieles von dem, was ich im Buch geschrieben habe. Einschüchtern lass’ ich mich deshalb nicht, ich werde nicht den Kopf einziehen, dafür bin ich Anwalt geworden.

Kommt man im Gefängnis an Drogen oder Handys?
Jeder, der länger als drei Tage sitzt, weiß, wie man ein Handy kriegt. Die werden sogar eingeschleust, im Auftrag der Polizei, und nachher abgehört. Das hätte man hier auch machen müssen. Da muss man eine verdeckte Ermittlung machen, einen Häftling ansetzen, der bei einem Beamten zum Schein Gift oder ein Handy bestellt. Aber hier passiert gar nichts, das ist der Skandal an sich, eine ungeheure Sauerei.

Was unternehmen Sie dagegen?
Ich habe einen Antrag auf Einstellung gestellt. Und ich überlege, ob ich gegen diese Justizwachebeamtin, die diese Behauptungen aufgestellt hat, vorgehe.

Der goscherte Star-Anwalt aus dem Gemeindebau

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