Chronik | Wien
13.01.2012

Tödlicher Sturz aus Wiener Hotel

Weil die Absicherung des Fensters schlecht verschraubt war, musste ein Kärntner sterben. Er stürzte 13 Meter tief in den Tod.

Die Tragödie um einen 48-jährigen Familienvater und Hotelier aus Kärnten könnte ein gerichtliches Nachspiel haben.

Donnerstagnacht gegen vier Uhr stürzte Josef Trattnig – er hinterlässt zwei Kinder und seine Ehefrau – in einem Wiener Hotel aus dem fünften Stock. Der beliebte FPK-Gemeinderat aus Döbriach bezog mit einem Kollegen ein Hotel der KK-Hotelkette in Wien-Neubau (das Familienunternehmen Koller & Koller führt zehn Häuser in Europa) . Trattnig wollte auf der Wiener Ferienmesse sein eigenes Vier-Sterne-Hotel präsentieren.

Abgestürzt

Nach dem Abendessen und einem Besuch in der Bar mit seinem Kollegen Adolf B. ging Trattnig auf sein Zimmer. Der Kärntner muss dann das Fenster geöffnet haben und sich an der horizontal verankerten Absturzsicherung angehalten haben. Dabei lösten sich die Schrauben.

Der Familienvater stürzte 13 Meter in die Tiefe. Eine Mitarbeiterin des Hotels fand die Leiche im Morgengrauen.

Die Polizei ging schon nach den ersten Erhebungen von einem tragischen Unfall aus. Freitagvormittag eruierte die Baupolizei (MA 37) die Auslöser der Tragödie. Gerhard Cech, Leiter der Abteilung: „Die Schrauben der Absturzsicherung waren zu wenig tief im Mauerwerk eingeschraubt. Wir verlangen jetzt, dass alle Fenstersicherungen nachjustiert werden. Die Schuldfrage wird das Gericht klären, nicht der Magistrat.“

Der Mitinhaber und Geschäftsführer der KK-Hotels, Heinrich Koller, denkt in der Salzburger Unternehmenszentrale vor allem an die Hinterbliebenen: „Wir stehen unter Schock, eine Katastrophe. Wir werden alles für die Familie tun. Heute möchte ich noch keinen Kontakt aufnehmen. Aber wir werden uns selbstverständlich bald bei der Familie melden.“ Allfällige Schadenersatzforderungen dürften von der Hotel-Haftpflicht gedeckt sein. Trauer Döbriach am Millstätter See, einen Tag nach dem Tod des bekannten Hotelieres und FPK-Mandatars. Das Hotel Trattnig in der Seestraße ist geschlossen. Im Tourismusbüro ist auf der Kundentheke eine verzierte Kerze platziert. Die fünf Mitarbeiterinnen laufen verweint umher: „Seit 1998 war er Obmann des Tourismusverbandes Döbriach-Radenthein“, sagt eine Angestellte. „Hier war sein Arbeitsplatz.“

Auf der Glastür des Rathauses von Radenthein, zu dem Döbriach gehört, hängt eine Parte, im Foyer steht ein Tischchen mit dem Foto von Josef Trattnig und schwarzer Schleife.

Bürgermeister Martin Hipp, SPÖ: „Wir sind tief betroffen. Josef Trattnig war seit 1997 Gemeinderat, hat die Gemeinde in der Millstätter See Tourismus GmbH (MTG) vertreten und sein Hotel zu einem Leitbetrieb ausgebaut. Er war früher aktiver Fußballer und einer der ersten Faschingsprinzen von Döbriach.“

Am Samstag besuchen Gemeindevertreter die schwer getroffene Familie – Frau Gundula, Tochter Lisa, 15, und Sohn Paul, 6. Bürgermeister Hipp: „Wir werden die Begräbnisfeierlichkeiten besprechen und unsere Unterstützung anbieten. Wie es mit dem Hotel weitergeht, wissen wir noch nicht.“