In diesem Lift starb Stanislav Bach.

© KURIER/Gilbert Novy

U-Bahn-Station
01/08/2015

Tod im Lift: Mann wäre zu retten gewesen

Der 58-jährige Obdachlose hätte überlebt, wenn innerhalb von 45 Minuten Rettung gerufen worden wäre.

von Ricardo Peyerl

Der 58-jährige Stanislav Bach war am 26. Dezember 2014 gegen zwei Uhr früh in einem Aufzug der Wiener U-Bahn-Station Volkstheater zusammengebrochen. Fünf Stunden lang lag der Obdachlose in der Kabine, ohne dass einer der Passanten, die den Aufzug nutzten, ihm half, den Notruf betätigte oder die Rettung verständigte. Zwei Mitarbeiter der Wiener Linien, die ihren nächtlichen Routine-Kontrollgang ausfallen ließen, wurden entlassen. Kurz vor 7.00 Uhr fand dann ein Reiniger der Wiener Linien den Mann, er war bereits tot.

Laut Obduktionsergebnis ist der 58-Jährige an einer massiven Alkoholvergiftung gestorben, der Gerichtsmediziner geht von vier bis fünf Promille aus. Stanislav Bach brach etwa eine Viertelstunde, nachdem er in den Aufzug gestiegen war, bewusstlos zusammen. Das ergibt sich aus den Videoaufzeichnungen aus dem Lift. Durch die Alkoholvergiftung hört - ähnlich wie bei einer Narkose - das Gehirn zu atmen auf. Etwa eine Dreiviertelstunde später war der Mann tot. Das ist jener Zeitpunkt, in dem der Alkoholwert seinen Höhepunkt erreicht hat.

Überlebenschancen

Hätte ein Fahrgast, der den Aufzug in dieser Zeit frequentiert hat, oder ein MItarbeiter der Wiener Linien auf seinem Kontrollgang die Rettung alarmiert, hätte Stanislav Bach überleben können. Man hätte den Mann auf die Intensivstation gebracht und an die Beatmungsgeräte angeschlossen. Während der künstlichen Beatmung hätte er den Alkohol abbauen können und wäre somit gerettet gewesen.

Die Ermittler prüfen nun an Hand des Videomaterials, wer in der fraglichen Zeit den Aufzug in der Station frequentiert hat; eine Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung könnte die Folge sein. Ein endgültiges Obduktionsgutachten der Gerichtsmedizin wird erst in zwei bis drei Wochen vorliegen.

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