Chronik | Wien 21.09.2015

Tillers Tunnel unter Döbling

Entwurf Entlastungstunnel © Bild: /Bezirksvorstehung Wien-Döbling/Trinkl

VP-Bezirksvorsteher Adi Tiller möchte den Verkehr aus Heurigengrätzeln verbannen.

Im Sekundentakt brausen am Montagnachmittag Pkw, Busse und Kleinlaster die Rathstraße hinauf und hinunter. Es ist ein Anblick, der sich Anrainern dieser Straße mehrmals täglich bietet. Laut Bezirksvorsteher Adi Tiller (ÖVP) würden pro Tag 16.500 Autos die Strecke durch Krottenbachtal, Sievering, Neustift am Walde und Salmannsdorf passieren.

Bezirksvorsteher Adi Tiller
Adi Tiller ist seit 1978 Bezirksvorsteher. © Bild: Kurier/Juerg Christandl
"So kann es wirklich nicht weitergehen", findet Tiller. Eine Umleitung durch die Weingärten oder die Kleingartenanlage sei keine Lösung. Es müsse ein realisierbarer Weg gesucht werden, um die Heurigengrätzel zu entlasten. Und diesen glaubt der Bezirksvorsteher nun gefunden zu haben: Ein Entlastungstunnel von der Krottenbachstraße 53 durch den Schaf- und Michaelerberg bis zur Marswiese auf der Höhenstraße.

Am Donnerstag soll ein entsprechender Antrag in der Bezirksvertretung beschlossen werden.

40 Millionen Euro

Der Tunnel wäre 4,5 Kilometer lang und könnte laut Tiller in einem Jahr gebaut werden. Die Zufahrt zu Wohnungen, Geschäften und Heurigen bliebe weiterhin möglich.

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Für das Vorhaben rechnet Tiller mit einem Gesamtbudget in der Höhe von 40 Millionen Euro. Sein Finanzierungsvorschlag: Die 30 Millionen Euro, die eigentlich für die Sanierung der Höhenstraße geplant waren, für den Tunnel verwenden. EU-Kommissar Johannes Hahn prüfe zudem eine finanzielle Beteiligung der EU.

Denn, argumentiert Tiller: "Wenn der Schwedenplatz untertunnelt oder die Donau durch den Lobautunnel untergraben werden kann, ist es gerechtfertig, für 20.000 Bewohner eine Lärmminderung und Umweltverbesserung zu verlangen."

Falscher Weg

Das könne man natürlich fordern, findet auch Verkehrsplaner Harald Frey. Nur sei so ein Tunnel der komplett falsche Weg. Denn dabei werde nur das Symptom, nicht aber das Problem behandelt. "Mehr Fahrspuren ziehen mehr Verkehr an. Der Tunnel würde die Frequenz also in Wahrheit steigern, weil noch mehr Pendler diese Route wählen", meint Frey.

Verkehrsplaner Harald Frey
Verkehrsplaner Harald Frey © Bild: /Tu Wien
Wenn man wirklich etwas verbessern wollte, sollte man besser die Ortszentren herrichten und beispielsweise dafür sorgen, dass die Gehsteige nicht nur einen Meter breit sind. Frey: "Wenn die Infrastruktur einladend ist, dann würden vielleicht mehr Personen im Grätzel auf das Auto verzichten."

Für diese Maßnahmen würde man außerdem nur einen Bruchteil der Tunnelkosten benötigen. Dass die 40 Millionen für das Großprojekt ausreichen, bezweifelt Frey ebenfalls: "Ich schätze, das Projekt würde drei Mal so viel kosten."

Im Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou heißt es zu dem Vorschlag: "Es kann sich nur um den massiven Ausbruch eines Wahlkampfvirus handeln."

( kurier.at ) Erstellt am 21.09.2015