Chronik | Wien 13.12.2011

Testwochen: Adventmarkt im Türkenschanzpark

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Klein, aber oho: 13 Holzhütten , ein paar Stehtische mit Laternen und Musik: Mehr braucht der Adventmarkt im Türkenschanzpark nicht.

Vorsichtig in das Glasröhrchen hineinblasen und drehen: Fertig ist die Weihnachtskugel – zumindest, wenn Glaskünstler Tom S. am Werk ist. Marktbesucher, die sich in seiner Hütte im Glasblasen versuchen, tun sich da schon schwerer: Manche produzieren eher Weihnachtseier, gurkenförmigen oder birnenähnlichen Baumschmuck. „Vor allem Kinder probieren das gerne aus, ich habe schon richtige Fans hier“, erzählt Tom stolz und hält eine blaue Kugel über die Flamme des Gasbrenners. „Hier ist es sehr angenehm, weil nicht alles so Giga-kika und Dasselbe ist.“

Giga-kika? Damit meint Tom wohl die Atmosphäre auf Märkten mit blinkender Handelsware aus China, dröhnenden Weihnachts-Pophits und Punsch aus dem Kanister. Der Adventmarkt im Türkenschanzpark im 18. Bezirk kommt hingegen mit ein paar roten Holzhütten unter den alten Bäumen und ein paar Stehtischen mit Laternen aus. Einzig die Musik ist etwas zu laut. „Hier ist es fantastisch“, schwärmt Besucherin Deborah Taber. Die momentan in Wien lebende Amerikanerin und ihr Mann John haben schon viele Adventmärkte abgeklappert, aber: „Hier gefällt es uns am besten.“

Besucher Michael Petschl mag vor allem die Übersichtlichkeit des Marktes: „Am Rathausplatz kann man keinen Punsch trinken, ohne im Gedränge die Hälfte zu verschütten“, schimpft er. „Hier ist es schön klein. Und es gibt Standln mit sehr netten Produkten.“

Die 13 Standler auf dem vergleichsweise winzigen Markt bieten zum Beispiel bunte Hauben aus Loden, Ringe aus leeren Nespressokapseln und Lachs aus einer kleinen norwegischen Räucherei an. Standbetreuerin Christina Prasch verkauft auch die zum Fisch passenden Saucen wie Wasabi oder Senf-Dill. Nach Dienstschluss freut sich die Studentin auf einen heißen Glühwein.

Punsch nach der Uni

Glasbläser Tom stellt seine Ware direkt auf dem Markt her
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Wochentags schauen viele von Christinas Studienkollegen von der schräg gegenüberliegenden Universität für Bodenkultur auf einen Punsch vorbei. Sonntags steht Familie auf dem Markt-Programm: Live-Musik für Mama und Papa, Riesenseifenblasen und heiße Schokolade zugunsten eines wohltätigen Vereins für den Nachwuchs. Sonst ist das Kinderangebot eher mager: Ein Karussell und der Spielplatz im Park sollen die Kleinen in der Kälte bei Laune halten.

Die heißen Waffeln mit Schokosauce schaffen das allerdings besser: „Die sind bei den Kindern der Renner“, erzählt Veranstalter Peter Roman. „Bei uns werden die Waffeln immer frisch herausgebacken und nicht vorproduziert.“ Die kulinarischen Adventmarkt-Basics wie Gulaschsuppe, Ofenkartoffeln und Schinkenfleckerln decken nur drei Gastro-Stände ab. Peter Roman betreibt einen davon. Früher verkaufte er auf dem Adventmarkt im Alten AKH Punsch – bis ihm die etwa 18.000 Euro Miete für die knapp 1,5 Monate auf dem Markt zu teuer wurden: „Da hab’ ich mir meinen eigenen Markt gemacht.“ Und der soll so klein bleiben, wie er ist. Jedes Jahr kommt ein Stand dazu, bei etwa 20 ist für Roman Schluss: „Es soll nicht überladen werden.“

Feuerzangenbowle heizt ein

Karamellisierter Zucker verleiht der Bowle ihren Geschmack
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Tropic, Absinth und Hot Caipirinha: An ausgefallenen Punsch-Varianten mangelt es auch im Türkenschanzpark nicht. „Zu 90 Prozent werden aber die Klassiker getrunken“, sagt Veranstalter Peter Roman.

Eine beliebte Alternative ist die Feuerzangenbowle. Vor dem Servieren legt Roman eine Mini-Feuerzange mit einem Stück Würfelzucker auf das Häferl, gießt einen Schuss hochprozentigen Alkohol darüber und zündet ihn an. „Der Zucker muss karamellisieren, dann bekommt die Bowle einen ganz eigenen Geschmack“, erklärt Roman. Zu lange sollte man den Flammen allerdings nicht zuschauen, „sonst wird der Zucker bitter“. Alkoholisch, würzig und feurig ist die Bowle allemal. Auch der weniger alkoholische, fruchtige Mandarinenpunsch schmeckt.

Erstellt am 13.12.2011