Chronik | Wien
07.01.2018

Terroranklage gegen 18-Jährigen: Brisante Details

Die Staatsanwaltschaft Wien legt einem Burschen, der in wenigen Tagen in der U-Haft seinen 19. Geburtstag feiert, Anstiftung zum terroristischen Mord zur Last. Die dem KURIER vorliegende Anklageschrift enthält brisante, bisher noch unbekannte, Details.

Die Staatsanwaltschaft Wien legt einem Burschen, der in wenigen Tagen in der U-Haft seinen 19. Geburtstag feiert, Anstiftung zum terroristischen Mord zur Last. Die dem KURIER vorliegende Anklageschrift enthält brisante, bisher noch unbekannte, Details.

Lorenz K., der in Österreich geborene und aufgewachsene Sohn albanischer Eltern, soll eine Nagelbombe produziert, Anschläge in Deutschland und Österreich geplant und Ende November 2016 einen 12-jährigen Deutschen zu einem Attentat auf einen Weihnachtsmarkt dirigiert haben, das wegen technischer Probleme scheiterte. Der von Wolfgang Blaschitz verteidigte Bursche leugnet das.

Radikalisiert wurde der damals 16-jährige Lorenz K. 2015 ausgerechnet im Gefängnis. In der Justizanstalt Wr. Neustadt, wo er eine Strafe wegen Raubes absaß, konvertierte er zum Islam, nannte sich fortan „Sabur Ibn Gharib“, besuchte nach seiner Haftentlassung Moscheen und folgte dem in erster Instanz zu 20 Jahren Haft verurteilten Hassprediger Mirsad Omerovic alias Ebu Tejma. Über ein IS-Deradikalisierungsprogramm der Justiz machte sich Lorenz K. in Chats mit Mithäftlingen lustig: „Hahaha, wenn ich will, kann ich die ganze Gruppe da radikalisieren.“
Im November 2016 leistete der Bursche einen Treueschwur für den „Islamischen Staat“ in arabischer Sprache, filmte die Prozedur mit dem Handy und übermittelte das Video dem berüchtigten IS-Repräsentanten Mohammed Mahmoud.

Anschließend lud Lorenz K. laut Anklage Bombenbaupläne aus dem Internet herunter und schickte diese einem 12-jährigen Bekannten in Deutschland, mit dem er sich über WhatsApp austauschte. Der noch nicht strafmündige Bub bastelte damit einen Sprengstoffgürtel, den er in einer Kirche zünden wollte. Lorenz K. – der sich selbst als „Terroristen-Chefkoch“ betitelte – wies den 12-Jährigen aber an, das Attentat an einem Ort mit mehr Menschen zu verüben. Man suchte den Weihnachtsmarkt in Rathausnähe von Ludwigshafen als Ziel aus. Der Ältere soll dem Jüngeren Anweisungen erteilt haben: „Zieh ne fette Jacke an, geh hinter eine Hütte, zünd an und lauf!“ In Handynachrichten klagte der Bub dem Älteren aber, dass er die Jacke nicht zubekomme, weil der Sprengstoffgürtel so dick sei. Daher wählte er eine Tasche als Transportmittel aus, in der es ihm dann aber nicht gelang, den Sprengstoff zu zünden. Schließlich deponierte er die Tasche in einem Gebüsch, wo sie später samt funktionsfähiger Bombe von der Polizei entdeckt wurde.

Rauchpulver und Testbombe hergestellt

Nun reiste Lorenz K. mit in Wien besorgten Bomben-Bestandteilen selbst nach Deutschland und stellte laut Anklage gemeinsam mit einem 21-jährigen Deutschen in dessen Wohnung in Neuss bei Düsseldorf zunächst mit Rauchpulver eine Testbombe her. Diese wurde mit Zeitzünder in einem Park probeweise gesprengt und dann in einem Mülleimer entsorgt. Anschließend sollen die beiden eine echte Nagelbombe produziert und Anschläge auf deutsche Militär- oder Polizeieinrichtungen geplant haben.

Anschlagsziele in Österreich

Am 9. Dezember 2016 wurde Lorenz K. allerdings festgenommen. Die Polizei fand auf seinem Handy Fotos der Bombe, ließ sich von dem Österreicher aber weismachen, es handle sich dabei nur um eine Rauchbombe. Er kam frei und fuhr heim nach Wien, wo er laut Staatsanwalt weiterhin Terrorpläne –nun mit Anschlagszielen in Österreich – wälzte.


In der Zwischenzeit wurde er vom Vater einer 16-jährigen Deutschen angezeigt, die Lorenz K. bei seinem Aufenthalt in Deutschland nach islamischen Recht geheiratet hatte. Der Vater fand Nachrichten auf dem Handy seiner Tochter, in denen Lorenz K. das Mädchen ebenfalls zu Terroranschlägen aufgefordert haben soll. Der 18-Jährige wurde in Wien verhaftet und wartet nun auf seinen Prozess. „Wir bestreiten alles außer die Mitgliedschaft zum IS“, sagt Anwalt Blaschitz.