Ein Anschlag soll am Rathausplatz geplant gewesen sein. Das ist aber nicht bestätigt.

© EPA/ZOLTAN BALOGH

Chronik Wien
12/16/2019

Mehrere Terror-Anschläge in Wien geplant: Drei Tschetschenen in Haft

Stephansplatz und Christkindlmarkt am Rathausplatz im Visier. Womöglich auch Attentate in Salzburg, Deutschland oder Frankreich vorgesehen. Telefonüberwachung und Observationen erhärteten Verdachtslage.

von Michaela Reibenwein

Sergo P. stand bereits zwei Mal vor Gericht. Zwei Mal wurde er verurteilt. Der junge Tschetschene ist ein strenggläubiger Muslim. Er selbst nennt sich Salafist. Aktuell verbüßt er eine dreijährige Haftstrafe in der Justizanstalt Hirtenberg wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Von dort soll er geplant haben, auszubrechen - um mit weiteren "Glaubensbrüdern" Anschläge auf Weihnachtsmärkte zu verüben. Und zwar beim Wiener Stephansplatz, in Salzburg, Deutschland und Luxemburg.

Auch zwei weitere Tschetschenen befinden sich deshalb in Haft.Sie sollen mit Sergo P. in Kontakt gewesen sein. Und zwar telefonisch - das funktionierte illergalerweise auch in der Justizanstalt. Ursprünglich sollen auch mehrere weitere Männer in der Vorwoche festgenommen worden sein - sie wurden allerdings wieder enthaftet.

Anonymer Hinweis

Ein anonymer Hinweisgeber hatte die Strafverfolgungsbehörden und den Verfassungsschutz auf die Spur der drei Männer gebracht. Angelpunkt und Zentralfigur dürfte der in der JA Hirtenberg einsitzende Häftling sein. Vor allem vor diesem soll der Hinweisgeber gewarnt haben, da er auch nach seiner Verurteilung der IS-Ideologie anhänge. Umfangreiche Ermittlungen, Telefonüberwachungen und Observationen erhärteten die Verdachtslage, die schließlich zur Festnahme der auf freiem Fuß befindlichen Tschetschenen führte - wegen "Gefahr im Verzug", wie am Montag aus Justizkreisen zu erfahren war.

Als Haftgründe wurden vom zuständigen Landesgericht Wiener Neustadt bei den bisher unbescholtenen Männern im Alter von 25 und 31 Jahren Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr, Tatbegehungs- sowie Tatausführungsgefahr angenommen. In formaler Hinsicht laufen die Ermittlungen in Richtung terroristischer Vereinigung. Die Causa wird als Verschlussakt geführt, sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch das Innenministerium reagierten auf mediale Anfragen entsprechend zurückhaltend und gaben sich bedeckt - zunächst auch auf die Frage, ob es nun verstärkte Sicherheitsvorkehrungen gebe.

Beim Jüngeren der kürzlich Festgenommenen wurde im Zug einer Hausdurchsuchung ein gefälschter, auf den Namen des Häftlings ausgestellter rumänischer Ausweis sichergestellt.

Florian Kreiner, der Anwalt des 31-Jährigen, wies die Verdächtigungen gegen seinen Mandanten gegenüber der APA zurück. "Da ist überhaupt nichts dran", versicherte er. Sein Mandant habe mit dem IS nichts zu tun. Der 25-Jährige wiederum ist in der Wiener Kampfsport-Szene ein Begriff. Er war regelmäßig als MMA (Mixed Martial Arts)-Fighter im Einsatz. "Sechs Kämpfe hat er gewonnen, einen verloren", berichtete sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz. Auch Blaschitz hält die Beweislage für dürftig, er nennt sie einen "aufgelegten Schwachsinn": "Was die behaupteten Anschlagspläne betrifft, hat es keine Vorbereitungshandlungen gegeben."