Chronik | Wien
07.12.2011

Tempo 30:  Für Pkw wird's eng

Die Fuzo Mariahilfer Straße könnte dazu führen, dass mehrere Ausfallstraßen bald zu Tempo-30-Zonen erklärt werden.

Alexa Karsten hat genug. Die Mutter von zwei Kindern steht an der Kreuzung Neustiftgasse/Kirchengasse – an jenem Ort also, an dem Anfang Oktober mehrere Unfälle in nur drei Tagen sechs Verletzte gefordert haben. "Einer dieser Unfälle endete tragischerweise tödlich", sagt Karsten, während im Hintergrund die Autos über die Neustiftgasse donnern. Karsten ist eine von insgesamt 1500 Anrainern, die eine Tempo-30-Zone in der Straße fordern. „Immerhin wird auch die Fußgängerzone auf der Mariahilfer Straße den Verkehr in die umliegenden Grätzl umleiten. Es kann ja nicht das Ziel sein, dass wir dann die Rechnung dafür bezahlen müssen.“

So wie Karsten denken offenbar mehr Bewohner im sechsten und achten Bezirk. Auch Bezirksvorsteher machen sich jetzt für eine Verkehrsberuhigung innerhalb des Gürtels auf den großen Ausfallstraßen wie Burg- und Neustiftgasse sowie in der Gumpendorfer Straße stark. Keiner möchte in Zukunft das Bummerl, sprich den Stau im Grätzl haben, während auf der Mariahilfer Straße die Fußgänger flanieren.

 

Wiener Linien auf der Bremse

Thomas Blimlinger, grüner Bezirksvorsteher in Neubau, würde neben der Neustiftgasse am liebsten auch die Burg- und Neubaugasse zur Tempo-30-Zone erklären. Das Problem dies- und jenseits des Gürtels: „Die Wiener Linien haben Bedenken angekündigt.“

Auch Renate Kaufmann, Bezirkschefin in Mariahilf, stellt klar: „Es wird eine Verkehrsberuhigung auf der Gumpendorfer Straße geben. Das hat mir Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou zugesichert.“ Derzeit berechnen Experten unterschiedliche Varianten, wie etwa eine Tempo-30-Zone, eine Unterbrechung der Gumpendorfer Straße und damit ein Ende der Durchzugsstraße. Auch eine Einbahn stadtauswärts mit Busspur steht im Raum. „Fix ist aber eines“, sagt Kaufmann, „der Bus wird nicht beeinträchtigt werden.“

Doch noch sind längst nicht alle Fragen geklärt. „Es ist derzeit unklar, wer für die Erhaltung einer Straße wie der Neustiftgasse, die zur Tempo-30-Zone rückgebaut werden könnte, zuständig ist: Der Bezirk oder die Stadt“, sagt Blimlinger. Eine Frage, die Planungsstadträtin Vassilakou nun rasch klären lassen möchte. „Die Bezirke haben in der Frage Tempo 30 aber meine volle Unterstützung“, sagte die Stadträtin als ihr Anrainer der Neustiftgasse 1500 gesammelte Unterschriften überreicht haben.

 

Flanieren in der Josefstadt

Im achten Bezirk wiederum soll die Josefstädter Straße ab 2012 autofrei werden. Zwar vorerst nur an den Weihnachtssamstagen, doch die Bezirksgrünen erhoffen sich dadurch mehr Impulse für die Geschäftsstraße – ganz nach Vorbild der Mariahilfer Straße. „Es geht aber auch um mehr Lebensqualität für

die Josefstädter“, sagt Alexander Spritzendorfer, grüner Bezirksvorsteherstellvertreter. Der entsprechende Antrag der Ökopartei wurde gemeinsam mit den Stimmen der ÖVP und der SPÖ beschlossen. Nun werden noch Details geklärt. Denn während die Autos fix draußen bleiben müssen, soll die Straßenbahnlinie 2 weiter durch die Fußgängerzone fahren. Spritzendorfer sieht darin kein Unfallpotenzial: „Wir sind zuversichtlich, dass es problemlos funktioniert.“ Sollte sich das Konzept bewähren, will es der Grüne wenig überraschend ausweiten: „Es ist Zeit, dass mehr für die Fußgänger getan wird.“

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