Chronik | Wien
30.01.2018

Szenelokale: Jung, hip – und dennoch pleite

Simon Xie Hongs "On Sud" ist pleite. Damit ging ein weiteres Wiener Szenelokal in Konkurs.

"Äußerst freundliche Kellner", "ein fast zu ambitionierter junger Koch" und eine "begrüßenswerte Weinkarte". Es waren durchwegs positive Kritiken, die der "erfolgsverwöhnte" Haubenkoch Simon Xie Hong bei der Eröffnung des Lokals "On Sud" vergangenen August von der Presse ausgestellt bekam.

Und doch hat es nicht gereicht. Denn laut den Gläubigerschutzverbänden AKV und Creditreform ist die Betreiberfirma On Sud Gastronomie und Großhandels GmbH insolvent. Die Schulden werden mit 938.000 Euro beziffert. 39 Gläubiger und 15 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen. Die Dezember-Löhne sollen nicht mehr bezahlt worden sein.

Masseverwalterin Eva Wexberg führt die Insolvenz auf Umbauarbeiten und daraus resultierende Probleme zurück.

So sollen die geplanten Umbaukosten (500.000 Euro) um die Hälfte überschritten worden sein. Zugleich wurden die erwarteten Umsätze nicht erreicht. Seit August 2017 bestehen daher auch Mietrückstände. Dem nicht genug: Zusätzlich soll es Auseinandersetzungen unter den Gesellschaftern gegeben haben.

Probleme am Markt

Lokalbetreiber Simon Xie Hong wollte sich zum aktuellen Stand nicht äußern.

Der Unternehmer war erst vor einem Monat wegen eines anderen Projekts in den Schlagzeilen. Im "On Market" am Naschmarkt hatten ihn zwei seiner Gesellschafter als Geschäftsführer abgesetzt.

Während das "On Market" weitergeführt wird, rechnet Masseverwalterin Wexberg damit, dass die Betriebsausstattung des Lokals "On Sud" veräußert und das Lokal in Rudolfsheim-Fünfhaus auf den Markt kommen wird – wahrscheinlich mit einem neuen Pächter.

Simon Xie Hong ist dabei nicht der einzige Szenewirt, der in den jüngsten Tagen Insolvenz anmelden musste. Über die "Kitch"-Betriebe in der Falkestraße, an denen bis Jahresende noch Sternekoch Juan Amador beteiligt war, läuft etwa ebenfalls ein Insolvenzverfahren. Und wie Die Presse am Sonntag berichtete, musste auch der "G’schupfte Ferdl" Konkurs anmelden.

Für den Laien mag das überraschend kommen. Denn die Heurigenbänke im "G’schupften Ferdl" waren zumeist voll besetzt. Und Simon Xie Hong sowie Juan Amador haben sich als erfolgreiche Köche in der Stadt einen Namen gemacht. Man hätte also annehmen können, dass ihre neuen Lokalprojekte im aufstrebenden 15. Bezirk bzw. mitten im 1. Bezirk Erfolg haben würden.

Aber: "Bekanntheit alleine reicht noch nicht", meint Anwältin Wexberg. "Der Wiener Gastronomie-Markt ist überbesetzt. Ein guter Standort ist entscheidend. Hat man den nicht, ist eine intensivere Bewerbung umso wichtiger."

Und: "Köpfe sind eben nicht gleich Umsatz", erläutert Peter Dobcak, Gastronomieobmann in der Wirtschaftskammer Wien.

"Nur weil ein Lokal gut besucht ist, heißt das noch lange nicht, dass der Lokalbetreiber auch schwarze Zahlen schreibt."

"Wenn zur Lokaleröffnung etwa Fremdkapital notwendig war, braucht der Betreiber oft einen langen Atem", ergänzt Wexberg. "Denn die Kreditabzahlung kommt zu den laufenden Kosten dazu."

Mehr Lokale

Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass die Situation in Wien noch nicht dramatisch ist: Mit 1209 Neuöffnungen und 1261 Schließungen gab es im Endeffekt nur einen kleinen Rückgang. Und im Fünfjahresvergleich zeigt sich, dass die Zahl der Lokale in Wien sogar weiterhin steigt: 2012 gab es 6500 Gastronomiebetriebe in der Bundeshauptstadt, 2017 gab es bereits 6629.

Emil Altinay, Geschäftsführer der "Kitch"-Gastronomie, ist zuversichtlich, dass seine Lokale auch ohne Juan Amador weiter dazuzählen werden. Die Pizzathek laufe sowieso gut. Beim "Bar & Grill" wird an einem neuen Konzept gearbeitet. Auch der 600 Quadratmeter große Clubraum soll wieder belebt werden. "Wir haben aus unseren Fehlern gelernt", sagt Altinay. "Und diesmal machen wir es besser."