Chronik | Wien 01.12.2017

Suchtmittel: Die Wiener und "ihre" Drogen

© Bild: KURIER/Jeff Mangione

Laut dem aktuellen "Suchtmittel-Monitoring" liegen Alkohol und Niktion bei den Wienern an der Spitze.

Bei den Wienern und "ihren" Drogen geht es vor allem um Alkohol und Nikotin. Von den illegalen Drogen ist allein Cannabis-Konsum weiter verbreitet. Das geht aus dem "Suchtmittel-Monitoring 2017" der Sucht- und Drogenkoordination Wien hervor, dessen Daten jetzt zugänglich sind. Die entsprechende IFES-Umfrage lief mit 600 Befragten über 15 Jahren von Juni bis August.

Die Umfrage wird alle zwei Jahre durchgeführt. Das Sample ist für die Wiener Bevölkerung repräsentativ. Die mögliche Schwankungsbreite bei den Angaben liegt bei plus/minus vier Prozent. Derzeit handelt es sich um die aktuellste repräsentative Untersuchung zum Suchtmittelgebrauch in Österreich.

Fast jeden Tag Alkohol trinken zehn Prozent der Wiener (2013: 17 Prozent; 2015: 12 Prozent), zwei- bis dreimal pro Woche 20 Prozent (2013: 18 Prozent; 2015: 23 Prozent). Bei den Männern steht zumindest fast täglicher Alkoholkonsum bei 15 Prozent auf dem Programm, bei den Frauen bei fünf Prozent.

Drei Prozent mit bedenklicher Trinkmenge

Drei Prozent der Einwohner Wiens weisen zumindest fast jeden Tag, wenn nicht täglich, eine hohe und auf jeden Fall bedenkliche Trinkmenge Alkohol von z. B. drei Krügeln Bier oder drei Viertel Wein auf (vier Prozent der Männer; ein Prozent der Frauen) auf. Am häufigsten (vier Prozent) ist das bei den 15- bis 29-Jährigen und bei den 40- bis 49-Jährigen der Fall.

Beim Rauchen hat sich wenig geändert. Etwas rückläufige Trends sind auf die Entwicklung bei den Frauen zurückzuführen. 27 Prozent der Befragten gaben an, täglich zu rauchen (2013: 32 Prozent; 2015: 29 Prozent). Seit 2011 gleich geblieben ist der Anteil der Gelegenheitsraucher mit zwölf Prozent. Täglich Nikotin konsumieren 32 Prozent der Männer (2013: 39 Prozent; 2015: 31 Prozent). Bei den Frauen sind es aktuell 22 Prozent (2011, 2013 und 2015: 27 Prozent). Die höchsten Raucherquoten (regelmäßiger Nikotinkonsum) gibt es unter den 16- bis 29-Jährigen (33 Prozent) und den 30- bis 39-Jährigen (31 Prozent). Im Lebensjahrzehnt danach sind es 28 Prozent, unter den 50- bis 59-Jährigen 22 Prozent.

Rund ein Viertel konsumierte schon einmal Cannabis

24 Prozent haben zumindest einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert. Ecstasy, Naturdrogen und Amphetamine liegen bei jeweils fünf bis sieben Prozent. Drei bis vier Prozent der Befragten gaben an, schon einmal ein Opiat (Heroin, Opium, Morphin, Substitutionsmedikament Methadon), Kokain, eine Räuchermischung oder LSD eingenommen zu haben.

Diese "Lebenszeitprävalenz" sagt aber wenig über den aktuellen Konsum solcher Suchtmittel aus. In den vorangegangenen 30 Tagen hatten laut ihren Angaben fünf Prozent der Befragten Beruhigungstabletten eingenommen, neun Prozent Schlafmittel. Beides kann bei längerfristiger Einnahme zur Abhängigkeit führen. Sechs Prozent erklärten, im vorangegangenen Monat zumindest einmal Cannabis konsumiert zu haben.

Nur ein Prozent der Wiener dürfte innerhalb von 30 Tagen Opiate (Morphium, Heroin, Opium) oder das Drogensubstitutionsmittel Methadon benutzt haben. Alle anderen illegalen Suchtgifte (z. B. Kokain, LSD, Crystal Meth, Ecstasy, Amphetamine etc.) liegen in der aktuellen Verbreitung bei unter einem Prozent.

Situation stabil

"Erfahrung mit illegalen Suchtmitteln machten mehr Männer als Frauen. Dies gilt insbesondere für Cannabis (27 Prozent versus 22 Prozent) und Ecstasy (neun Prozent versus fünf Prozent)", heißt es in der Zusammenfassung. Das Risikobewusstsein bezüglich illegaler Drogen sei offenbar bei Frauen stärker.

Die Wiener schätzen die Situation im Suchtmittelbereich offenbar als recht stabil ein: Vier von zehn Befragten gaben an, in der jüngeren Vergangenheit keine Veränderung bemerkt zu haben. Jeder Fünfte sprach von einer Verbesserung, drei von zehn von einer Verschlechterung. 84 Prozent der Wiener sehen in Abhängigkeit von Substanzen oder in suchtähnlichem Verhalten (Spielsucht, Internetsucht) eine Krankheit, nicht als ein kriminelles Verhalten.

( Agenturen , best ) Erstellt am 01.12.2017