© Dominik Schreiber

Chronik Wien
05/01/2012

Stürzte Ex-Premier von der Brücke?

Nun ist klar: Libyens Ex-Premier Shukri Ghanem starb einige hundert Meter stromaufwärts. Zeugen meldeten sich bisher keine.

von Dominik Schreiber

Es waren keine Spaziergänger und auch keine Kellner, wie in mehreren Zeitungen zu lesen war, die den Leichnam des libyschen Ex-Premiers Shukri Ghanem fanden. Tatsächlich war es ein kubanischer Security, der auf der Copa Cagrana für Recht und Ordnung sorgt, der den Toten in der Neuen Donau treiben sah. "Louis O. ist die ganze Nacht hier, er schaut darauf, dass nirgends bei uns eingebrochen wird", berichtete ein Lokalbesitzer am Dienstag dem KURIER. Die Polizei bestätigte dies auf Anfrage.

Kubanischer Security

Damit scheint ausgeschlossen, dass Ghanem bei der Copa Cagrana ins Wasser stürzte, da der Sicherheitsmann dies vermutlich früher entdeckt hätte. "Aber vor allem aufgrund der Strömungsgeschwindigkeit ist der Todesort sicherlich weiter stromaufwärts", erklärt Polizeisprecher Roman Hahslinger. Da die Wege nördlich des Fundortes allerdings nicht direkt an der Donau entlang führen, scheint ein Sturz von einer der Brücken nun immer wahrscheinlicher. Vielleicht ist Ghanem von seiner noblen Wohnung im Coop-Himmelb(l)au-Tower durch den Donaupark Richtung Brigittenauer oder Floridsdorfer Brücke gegangen. Dort könnte es zu dem folgenschweren Sturz gekommen sein. Oder hat am Ende doch jemand nachgeholfen?

"Mörderjäger" ermitteln

Bei der Polizei geht man eher von einem tragischen Unfall aus, es gibt weiterhin keinen Hinweis auf Fremdeinwirkung. "Auch ein Libyer hat das Recht auf einen natürlichen Tod", soll etwa ein Freund von Ghanem laut ORF gesagt haben. Die Behörden wollen dennoch auf Nummer sicher gehen, deshalb ermitteln weiterhin die erfahrenen "Mörderjäger" des Wiener Landeskriminalamts (gemeinsam mit dem Verfassungsschutz). Spekulationen soll kein Raum gegeben werden.

Letzte Gewissheit sollen das Endergebnis der Obduktion gegen Ende der Woche sowie der toxikologische Befund in einigen Wochen erbringen. Aus beiden Berichten soll hervorgehen, was genau zum Tod des 69-jährigen Gaddafi-Vertrauten geführt hat. Denn bis dato hat sich laut Polizeiangaben auch noch kein Zeuge gemeldet, der Ghanem am Sonntag in der Donaustadt gesehen hat. Wie berichtet, dürfte er vermutlich zwischen sechs und acht Uhr in der Früh gestorben sein.

Über den Tod der einstigen "Nummer zwei" hinter dem libyschen Diktator berichteten jedenfalls zahlreiche Medien in aller Welt: "Die Todesursache scheint geklärt, der Tod bleibt weiterhin rätselhaft", schrieb etwa der deutsche Stern. In einzelnen Internet-Blogs wird hingegen schon mit ziemlicher Sicherheit von einem Mord und einer Verschwörung ausgegangen. Schuld sind demnach offenbar die Geheimdienste. Auch eine österreichische Billigzeitung schreibt bereits von einen "Mord-Krimi".

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