Bei vielen Rettungseinsätzen (Bild: Supermarkt-Überfall) kommen Sanitäter in gefährliche Situationen.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Gewalt gegen Sanitäter
08/01/2016

Stichschutz-Westen für die Rettung?

Personalvertretung schlägt Alarm, Rettung beruhigt.

von Anna-Maria Bauer

Ohrfeigen, Faustschläge, Tritte. Angriffe auf Rettungskräfte hätten sich in den vergangenen Jahren stark gehäuft, mittlerweile kämen sie täglich vor, sagt AUF-Personalvertreter Thomas Berl und ergänzt: "Einige Leute haben offenbar vergessen, dass wir die Helfer sind."

In letzter Zeit komme es zudem vermehrt zu Einsätzen aufgrund von Messerstechereien. Hermann Wally (FSG) von der Polizeigewerkschaft bestätigt, dass die generelle Gewaltbereitschaft in Wien gestiegen ist.

Um bei diesen Einsätzen potenziellen Angriffen nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, fordert die FPÖ-nahe AUF-Personalvertretung von der Stadt Wien nun Stichschutz-Westen für die Rettungssanitäter.

"Was sollen wir im Ernstfall machen? Weglaufen? Das geht zum Beispiel in einer Wohnung schwer", sagt Berl. Viele Kollegen hätten sich deswegen bereits vom eigenen Geld stichfeste Handschuhe gekauft und stellen sich nur mehr neben eine Wohnungstür, wenn diese geöffnet werde, weil man nicht wisse, was einen darin erwartet.

Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) wird in der ersten Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause einen Antrag stellen, in dem er die zuständige Stadträtin auffordert, "Stichschutz-Westen für alle Rettungseinsatzkräfte in Wien" zu erwerben.

"Nicht notwendig"

Bei der Wiener Berufsrettung räumt man ein, dass verbale Angriffe und Beleidigungen durch Patienten oder Angehörige vorkommen. Bedarf für Schutzwesten gebe es in der derzeitigen Situation aber nicht: "Diese Westen könnten als Zeichen der Aggression gewertet werden, und das möchten wir jedenfalls vermeiden."

Man setze stattdessen lieber auf Deeskalation. Deswegen biete die Wiener Berufsrettung für ihre Mitglieder auch regelmäßig Seminare an, bei denen der richtige Umgang mit aggressiven Patienten vermittelt wird. Und: Ist ein Patient wegen aggressiven Verhaltens bekannt, so seien die Mitarbeiter geschult, unverzüglich die Polizei zur Unterstützung anzufordern.

In einer unklaren Situation gelte zudem: Selbstschutz ist oberstes Gebot. Konkret bedeutet das, bei Gefahr den Notfallort verlassen, sich vom Aggressor entfernen und unverzüglich per Funk-Notruftaste die Polizei alarmieren. Ungesicherte Gebäude werden von den Rettungskräften auch nicht betreten.

Vor der Polizei am Tatort

Doch was, wenn man – etwa bei einer Messerstecherei – vor der Polizei am Tatort ankomme, fragt Berl. "Muss erst etwas Schlimmes passieren, bis die Notwendigkeit erkannt wird?"

Aus dem Büro von Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) war noch keine Stellungnahme zu erhalten.

Wien ist nicht die einzige Stadt, in der Schutzausrüstung wegen zunehmender Gewalt gegen Sanitäter ein Thema ist. In Nürnberg haben sich Sanitäter des Bayrischen Roten Kreuzes bereits selbst mit stichfesten Westen ausgestattet; in New York tragen die Parademics mittlerweile sogar schusssichere Schutzwesten.

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