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Chronik Wien
04/30/2012

Steit um Straßenstrich am Tag

Im Prater wird am Dienstag nicht nur gefeiert. Am Straßenstrich müssen Kinder am helllichten Tag an den Prostituierten vorbei.

von Michael Berger

Männer, die am Dienstag, dem 1. Mai zu Fuß von der U2-Station Messe/Prater in den Wurstelprater pilgern, müssen mit einem Spießrutenlauf rechnen. Denn die spärlich bekleideten Damen des legalen Straßenstrichs auf der Südportalstraße lassen selbst am helllichten Tag keine Gelegenheit aus, mit potenziellen Kunden ins Geschäft zu kommen. Nicht einmal Familienväter mit ihren Kindern bleiben von der aggressiven Geschäftsanbahnung verschont.

Für den SP-Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Gerhard Kubik (SPÖ), ist jetzt der Bogen endgültig überspannt: „Ich schicke in Zukunft alle Beschwerden von Wählern an die zuständige Stadträtin Frauenberger (SPÖ)." Kubik hat bereits Hunderte Mails, Anrufe und Briefe von verstörten Anrainern und Wienern erhalten.

Am 27. März stellte die Leopoldstädter Bezirksvertretung den Antrag auf zeitliche Begrenzung des Straßenstrichs im Prater. Kubik: „Wir forderten ein Zeitfenster von 22 bis 6 Uhr früh. Ich erwarte mir eine sofortige Lösung. Bis dato kam aber keine Reaktion aus dem Rathaus."

Im Stich gelassen

Die holte der KURIER bei der – mit dem Straßenstrich beauftragten – Gemeinderätin Birgit Hebein von den Grünen ein. „Die Situation ist extrem angespannt. Der zweite Bezirk wird von der Politik im Stich gelassen. Die zeitliche Einschränkung ist ein Thema. Aber unter Rot-Grün wird es in Wien kein Verbot der Straßenprostitution geben."

Noch deutlicher wird die Sprecherin der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger, Stefanie Grubich: „Das Mitspracherecht der Bezirke für Erlaubniszonen bleibt aufrecht. Das Rathaus wird in keinem Fall mittels Verfügung den Straßenstrich in Bezirke zwingen, die das nicht wollen. Der Vorschlag der zeitlichen Begrenzung im Prater steht aber zur Diskussion."

Verzögerungstaktik

Für Kubik ist diese Antwort „die reinste Verzögerungstaktik": „Seit sechs Monaten wehren sich die Bezirksvorsteher gegen den Straßenstrich. Ich will endlich Ergebnisse sehen. Jeder Bezirk kann 50 Meter für die Prostituierten zur Verfügung stellen."

Und Grün-Sozialsprecherin Hebein warnt zusätzlich vor der Zukunft: „Die wachsende Armut im Osten wird immer mehr Sexarbeiterinnen nach Wien spülen. Wir müssen den Bürgern diese Wahrheit zumuten können." Konkrete Lösungsansätze jedoch konnte Hebein nicht präsentieren.

Wie unreflektiert die Stadtregierung mit diesem heiklen Thema umgeht, zeigt der Aspekt der 1. Mai-Feiern. Heute, Dienstag, wird ein Teil der SP-Spitze im Schweizerhaus feiern. Keine 300 Meter vom heftig kritisierten Straßenstrich entfernt.

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