Chronik | Wien
05.12.2011

Steinhof: Häupl stoppt Bauprojekt

Nach Protesten muss das Bauprojekt zurück an den Start. 220 Wohnungen werden sicher gestrichen, 320 vielleicht.

Es werden für lange Zeit die letzten Bagger gewesen sein, die auf das Areal am Steinhof in Wien-Penzing gerollt sind. Die geplante Bebauung der Spitalsgründe wird teilweise, möglicherweise sogar ganz abgesagt. Bürgermeister Michael Häupl (SP) erteilt somit dem derzeit wohl umstrittensten Wohnbauprojekt Wiens eine klare Absage. Wie mehrfach berichtet, sollten im Schatten der berühmten goldenen Kirchenkuppel 600 geförderte Wohnungen und ein Rehazentrum gebaut werden. 220 der 600 vorgesehenen Wohnungen, die auf dem nördlichen Areal entstehen sollten, werden nun "ersatzlos gestrichen". Auch die dortigen Pavillons sollen nicht, wie geplant, zu Wohnungen umgebaut werden. Hier kann sich Häupl eine universitäre Nutzung vorstellen.

Neuplanung

Die Pläne für die restlichen 320 Wohnungen werden an den stadteigenen Wohnbauträger Gesiba zur Neubearbeitung zurückgestellt. "Dieser Prozess ist ergebnisoffen." Häupl verkündet damit die Wende in einer Causa, die die rot-grüne Stadtregierung immer stärker unter Zugzwang brachte. Die Kronenzeitung und mehrere Bürgerinitiativen wetterten seit Wochen gegen die geplanten Neubauten östlich der Jugendstil-Juwele. Mit Erfolg. Während das geplante Rehazentrum auch tatsächlich errichtet wird ("Daran führt kein Weg vorbei"), ist die Zukunft der verbliebenen 320 Wohnungen heute ungewisser denn je. Häupl: "Theoretisch ist auch keine Wohnung denkbar."

Dass der Wohnbauträger dem Krankenanstaltenverbund dereinst 8,9 Millionen Euro für das Areal gezahlt hat, stört den Bürgermeister offenbar nicht. Er betont, dem Wohnbauträger
müsse kein Euro rückerstattet werden. "Mit der Gesiba komme ich schon zugange", feixte Häupl. Der Wohnbauträger könne auch mit einem anderen Areal vertröstet werden. "Auch im Süden der Stadt muss gebaut werden."

Gesiba-Generaldirektor Ewald Kirschner wollte bis zuletzt von einem Ersatzgrundstück nichts wissen und pochte im KURIER auf Rechtssicherheit: "Die Pläne sind für das Areal gemacht und es gibt zwei gültige Gemeinderatsbeschlüsse." Er war heute bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. Erfreut zeigen sich hingegen die Bürgerinitiativen. "Es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung", sagt Karl Melber von der Initiative Steinhof erhalten , "das Areal ist aber damit noch nicht gerettet." Er will weiter dafür kämpfen, dass es zu keinen Neubauten kommt.

Ebenfalls erfreut über die Entscheidung Häupls ist Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne). Ihre Partei hatte seinerzeit gegen die Umwidmung gestimmt. Vassilakou: "Nun ist der Weg frei, gemeinsam mit den Bürgern Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten, die alle kritischen Punkte berücksichtigen."

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