Seit Wochen laufen die Anrainer im 9. Bezirk gegen das neue Drogenzentrum Sturm

© /Josef Gebhard

Chronik Wien
10/24/2014

Stadt verteidigt Drogenzentrum

Trotz Protesten rechnet Koordinator Michael Dressel nicht mit Problemen für die Anrainer. Die bezweifeln das.

von Josef Gebhard

Sollte es tatsächlich Probleme rund um das das neue Drogenberatungszentrum im 9. Bezirk geben, werde man sich auch künftig mit den Anrainern zusammensetzen, um sie zu klären. Das stellt Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel in Aussicht. „Die Erfahrung mit anderen Projekten zeigt aber, dass nicht mit Schwierigkeiten zu rechnen ist.“

Wie berichtet, protestieren Anrainer seit Wochen gegen das neue Zentrum in der Nussdorfer Straße, das am 13. November eröffnet wird. Täglich werden hier rund 100 Patienten unter anderem Spritzen tauschen können. Die Bewohner des Grätzels befürchten eine Gefährdung ihrer Kinder und eine Wertminderung ihrer Wohnungen.

Am Freitag erreichte der Streit um das Zentrum den Gemeinderat. Die FPÖ hatte zum Thema eine dringliche Anfrage eingebracht. Die ÖVP kritisiert vor allem die mangelnde Einbindung der Anrainer. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) hält ungeachtet der massiven Kritik am geplanten Standort fest. Er sei nach einem internen, standardisierten Verfahren von der Wiener Sucht- und Drogenkoordination ausgewählt worden.

Zentrum in den Gürtelbögen?

Insgesamt hat die Drogenkoordination mehr als 100 mögliche Standorte geprüft – darunter auch die Gürtelbögen, die ÖVP-Chef Manfred Juraczka als Alternative ins Spiel bringt. Sie hätten sich aufgrund ihrer zentralen Lage und der guten Öffi-Anbindung angeboten. Dort wäre auch kaum mit Anrainerbeschwerden zu rechnen. „Die Errichtung eines Zentrums ist dort aber nicht möglich. Es wären extrem aufwendige Umbauarbeiten nötig gewesen“, erklärt Dressel.

Bei einer Info-Veranstaltung am Freitagabend im 9. Bezirk schlug ihm eine Welle der Empörung entgegen. „Ich werde mein Kind künftig sicher nicht mehr alleine von der Schule heim gehen lassen“, sagt eine besorgte Mutter. „Die ganze Aktion wird nur dazu führen“, meint ein weiterer Anrainer, „dass eine gutbürgerliche Wohngegend verslummen wird“.

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