Chronik | Wien
27.01.2015

Snowboards für die Straße

Ruffboards: Soziales Start-up macht aus alten Snowboards Longboards.

Praktikantin Sophie Lücking steckt die hellblaue Rolle auf die Achse, zieht die Mutter fest – und schon ist das ehemalige Snowboard straßentauglich. Das Wiener Start-up "Ruffboards" verwandelt gebrauchte Snowboards zu Longboards (längere, ältere Version des Skateboards) und gibt damit Ex-Häftlingen Arbeit.

Die Idee kam den langjährigen Longboarderinnen Melanie Ruff und Simone Melda, als sie herauszufinden versuchten, wo ihre Bretter denn herkamen. So genau schien das selbst im Skateboard-Mekka Amerika niemand zu wissen. "Also beschlossen wir, es einfach selbst zu machen", sagt Ruff.

Und das tun Historikerin Ruff und Zahntechnikerin Melda seit einem Jahr nicht nur ressourcenschonend (indem sie ausgedienten Snowboards eine neue Aufgabe geben), sondern auch sozial. Als die Nachfrage immer größer wurde, wandten sich die beiden an den Bewährungshilfe-Verein Neustart, der gemeinsam mit Ex-Häftlingen eine Tischlerei betreibt. Vergangenes Jahr haben sie 110 Boards hergestellt. Dieses Jahr sollen es bereits doppelt so viele werden.

Studentin Sophie Lücking ist durch einen Zeitungsartikel auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Die 21-Jährige hat vor einem Jahr selbst mit dem Longboarden begonnen: "Das Gefühl beim Durch-die-Gassen-Cruisen ist einmalig. Es ist das Snowboarden der Stadt." Dass sie helfen kann, diese Boards unter fairen Bedingungen herzustellen, findet Sophie Lücking "super".

Erfolgsgeschichte

Geschäftsführerin und Namenspatin Melanie Ruff ist selbst überwältigt, wie groß die Nachfrage ist: "Ich hätte nicht gedacht, dass das so abgeht." Nicht nur die Konsumenten sind von dem Konzept begeistert. Bei einem internationalen Wettbewerb in London konnten sie mit ihrem Konzept überzeugen und gewannen 10.000 Euro Startkapital für ihr Projekt.

Dieser Erfolg muss gefeiert werden, finden Ruff und Melda. Am Donnerstag gibt es eine Ein-Jahres-Feier mit Musik der Djanes Soso&ella und der Vision, in zehn Jahren mit den "Ruffboards" weltweit bekannt und aktiv zu sein.

On Year Ruff Is Not Enough

Die Ein-Jahres-Feier findet am 29. 1. ab 16 h in der Hofstattgasse 4, 1180 Wien statt.