Chronik | Wien
11.05.2017

Seilbahnen schweben noch in der Luft

Neos wollen Bahn aufs Otto-Wagner-Areal. Ministerium bearbeitet Konzession für den Kahlenberg.

Das Otto-Wagner-Spital als Universitätscampus? Diese Option hatten die zuständigen Stadträtinnen Maria Vassilakou (Grüne) und Sandra Frauenberger (SPÖ) am Dienstag verkündet.

Für ein Areal, das so groß wie der 8. Bezirk ist, sei dieser Vorschlag kaum ausreichend, meinten daraufhin die Neos und stellten am Mittwoch ihre Vision für die Zukunft des Otto-Wagner-Areals vor. Die Pinken sind nämlich der Meinung, dass hier Platz sei für einen Schul- und Universitätscampus, einen Kulturstandort, Pflege-, Palliativ- und Rehabilitationseinrichtungen, spezielle Wohnformen sowie Betriebe wie Start-ups. "Mit einer monothematischen Nutzung kann das Areal nämlich nicht erfolgreich belebt werden", sagt Wolfgang Gerold, Klubobmann der Penzinger Neos.

Weiters präsentierten die Neos eine eher ungewöhnliche Idee, um das Areal besser zu erschließen: eine Stadtseilbahn. Diese sei nicht nur umweltfreundlicher (kein Elektrosmog, geringer Energiebedarf), sondern auch weit kostengünstiger als etwa eine U-Bahn (in ihren Berechnungen kamen sie auf 70 Millionen Euro; eine U-Bahn würde pro Kilometer 250 Millionen Euro kosten). Außerdem hätte eine Seilbahn auch touristisches Potenzial, ist man bei den Neos überzeugt. Sie würden das Projekt gerne in einem Bürgerforum diskutieren.

Australisches Vorbild

Indes ist in ein anderes Seilbahnprojekt frischer Wind gekommen. Wie das Verkehrsministerium dem KURIER bestätigt, liegt ein Konzessionsansuchen für eine Seilbahn auf den Kahlenberg zur Prüfung vor.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um das seit Jahren diskutierte Projekt der Firma Doppelmayr, sondern um ein neues der"Genial Tourismus- & Projektentwicklung GmbH" gemeinsam mit dem Südtiroler Seilbahnkonstrukteur Leitner.

Die Idee kam dem Geschäftsführer der "Genial Tourismus- & Projektentwicklung GmbH", als er den Skyrail im australischen Cairns kennenlernte, eine sieben Kilometer lange Seilbahn, die über den Regenwald führt. In Zeiten zunehmenden Tourismus gelte es auch abseits des Stadtzentrums Anreize für Urlauber zu schaffen. Und dafür wäre eine barrierefreie, emissionsfreie und relativ geräuschlose Seilbahn auf den grünen Kahlenberg gut geeignet, meint jedenfalls der Geschäftsführer. Auch der Busverkehr nach Grinzing könnte dadurch verringert werden.

Das Ministerium holt derzeit die notwendigen Unterlagen und Stellungnahmen ein. Diese sollten bis Herbst vorliegen. Die Entscheidung wird somit noch vor Jahresende getroffen werden können.

Auf große Ablehnung stößt die Idee bei der SPÖ Döbling. Das Projekt sei hinsichtlich der Umweltverträglichkeit, der Einbettung ins Ortsbild sowie der Wirtschaftlichkeit stark zu hinterfragen. Auch der derzeit geplante Einstieg in Heiligenstadt sei äußerst problematisch, da die Verkehrssituation dort bereits jetzt kritisch sei. Die SPÖ Döbling brachte daher beim Landesparteitag Ende April einen Antrag ein, in dem eine klare Absage für das Projekt gefordert wird. Er wurde einstimmig angenommen.

Die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), deren Ressort bis Herbst eine Stellungnahme abgeben muss, war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.