Chronik | Wien 13.12.2011

Schwere Geschütze im Kasernendeal

Wien möchte acht Heereskasernen für sozialen Wohnbau kaufen. Doch laut Grünen drohen nun Bonzenwohnungen.

Maria Vassilakou ist sauer. Wiens grüne Vizebürgermeisterin lässt dieser Tage kein gutes Haar an Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ). Der Grund: Vassilakou möchte acht Kasernen des Bundesheeres kaufen. Dem rot-grünen Wien schwebt Ähnliches wie dem schwarz-grünen Graz vor. Vor zwei Wochen kaufte die Stadt an der Mur die Hummelkaserne für 2,7 Millionen Euro, um dort 90 Gemeindewohnungen und ein Pflegeheim zu errichten. „Wien wächst. Jährlich ziehen knapp 18.000 Menschen in die Bundeshauptstadt“, sagt Vassilakou. „In den Kasernen könnten dringend benötigte und vor allem geförderte Wohnungen errichtet werden.“

Doch der rote Minister ziere sich, empört sich Vassilakou. „Ich fürchte, dass Minister Darabos unter Druck steht, die Kasernen an den Meistbietenden verkaufen zu müssen. Das Projekt wäre für die Stadt damit Geschichte“, sagt sie dem KURIER. Schließlich darf der Preis einer Liegenschaft förderbare Grenzwerte nicht überschreiten. „Damit drohen Luxuswohnungen statt sozialem Wohnbau.“

Bundesheer
© Bild: KURIER

Im Büro der Vizebürgermeisterin will man ausgerechnet haben, dass sich in den acht Kasernen 4260 geförderte Wohnungen ausgehen könnten. „Alleine die General-Körner-Kaserne in Wien-Penzing hätte das Potenzial für 670 Wohnungen“, ist Vassilakou überzeugt.
Im Ministerbüro kann die Kritik aus dem nahen Rathaus „nicht nachvollzogen werden“. Dort heißt es, die acht Kasernen würden verkauft – egal, wie eine seit Jahren diskutierte Heeresreform am Ende des Tages aussehe. Und fix sei auch, dass die Stadt quasi ein Vorkaufsrecht erhalte. „Wenn die Stadt Interesse hat, kann sie die Liegenschaften zum Mindestverkaufspreis erwerben“, sagt Darabos-Sprecher Stefan Hirsch.

Die Stadt müsste allerdings vorab verraten, welche Widmung sie auf dem Areal vorsieht. Je mehr Wohnungen in einer Kaserne geplant sind, umso mehr Geld müsste die Stadt dem Bund überweisen. Verschenkt wird nichts, auch nicht an Gemeinden.

Seit 2006 hat der Minister 115 Liegenschaften in ganz Österreich verkauft. Das Heer konnte so 165,5 Millionen Euro erwirtschaften. Und wann sind die Areale in Wien an der Reihe?

Verkauf startet 2012

„Bislang haben wir erst Verkaufsaufträge für eine Teilfläche der Körner-Kaserne und für die Tegethoff-Kaserne in Döbling“, sagt ein Sprecher der für die Verkäufe zuständigen Gesellschaft Sivbeg. „Beide Verkäufe sind für 2012 bzw. 2013 geplant. Gespräche mit der Stadt laufen.“

Und wann gibt’s das Go des Ministers für die nächsten sechs Kasernen? „Ich bin kein Prophet“, sagt sein Sprecher. „Es macht aber keinen Sinn, alle Liegenschaften gleichzeitig zu veräußern.“ Vassilakou sieht das nicht ganz so. Am besten wäre eine Option auf alle acht Liegenschaften „gleich jetzt und nicht irgendwann“. Nur so sei vernünftige Vorausplanung von Wohnbaupolitik möglich.

( Kurier ) Erstellt am 13.12.2011