Chronik | Wien
05.12.2011

Schwechat: "Zu geringe Lärmentlastung"

Bürgerinitiativen gegen Fluglärm sind skeptisch, ob die Umweltverträglichkeitsprüfung für die dritte Landepiste die Belastung reduziert.

In knapp zwei Wochen wird es ernst für die Bürgerinitiativen gegen Fluglärm. Denn am 29. August beginnt die Umweltverträglichkeitsprüfung für die dritte Flughafen-Piste auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Um die Lärmbelastung der Bevölkerung zu verringern, soll der Anflug der Jets nicht gerade, sondern künftig in einer Kurve erfolgen. Die Flugbahn für die Landung könnte dann über weniger dicht besiedeltes Gebiet geführt werden.

Die Erwartungshaltung der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm ist nicht gerade euphorisch. Denn die Flugrouten sind bei der Umweltverträglichkeitsprüfung des Amtes der niederösterreichischen Landesregierung kein Thema. Das weiß auch der Wiener SPÖ-Gemeinderat Erich Valentin. Allerdings, so Valentin, kann bei der UVP sehr wohl vorgeschrieben werden, dass "ab einer bestimmten Bevölkerungsdichte eine Lärmgrenze nicht überschritten werden darf". Gemäß den gesetzlichen Vorgaben ist es Aufgabe einer UVP, "negative Auswirkungen eines zu prüfenden Projektes möglichst gering zu halten." Für die Festlegung der Flugrouten ist allein die Austro Control zuständig. Die Flugsicherheitsbehörde ist zwar nicht bei dieser UVP vertreten, wird aber "Fach-Gutachten beisteuern", kündigt Valentin an.

Viktor Horak, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Fluglärm in Liesing, ist sich nicht sicher, was der Anflug in einer Kurve bringen kann. "Es gibt keinerlei Daten darüber." Vielleicht werde durch das Drosseln der Triebwerke beim Einlenken in die Kurve sogar mehr Lärm erzeugt als bisher.

Verdreifachung

Über die Folgen der Errichtung einer dritten Piste gibt es sehr wohl Daten. Herbert Hofmann von der Bürgerinitiative Wien-Süd gegen Fluglärm rechnet mit einer Verdreifachung der Zahl an Starts und Landungen. Derzeit wird bei etwa 23 Prozent aller Flüge eine Route über dicht verbautes Gebiet gewählt. Valentin hält zwar grundsätzlich den Ausbau des Flughafens für ökonomisch notwendig, die geplante Entlastung bei der Einflugroute im Westen der Stadt sei aber "zu gering". Auch wenn die UVP positiv ausgeht, wird es noch Jahre dauern, bis die dritte Piste fertig ist. Die geschätzte Bauzeit beträgt nämlich sieben Jahre.