Chronik | Wien
05.12.2011

Schwechat: Verkehrslawine befürchtet

Mit dem Bau der dritten Piste wird der Pkw-Verkehr massiv zunehmen. Bürgerinitiativen fordern Ausbau der S-Bahn.

Wenn der Flughafen Schwechat eine dritte Piste bekommt, wird der Verkehr nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden unerträgliche Ausmaße annehmen. Das befürchten Bürgerinitiativen (BI), die sich gegen das Projekt wehren. Ab Montag werden sie ihre Bedenken in der öffentlichen UVP-Verhandlung einbringen.

"Schon jetzt ist die Verkehrsbelastung durch die A4 und die S1 enorm hoch", kritisiert Brigitte Krenn von der Schwechater BI gegen die dritte Piste: Derzeit rollen bei der A-4-Zählstelle Schwechat täglich knapp 90.000 Autos vorbei, 2025 werden es laut UVP-Gutachten 123.400 sein. Auf der S1 werden es statt der derzeit 64.700 Fahrzeuge pro Tag rund 90.000 sein.

Die Überlastung werde laut Gutachten dazu führen, dass auch kleinere Ortschaften zum Handkuss kommen: "Im Ortsgebiet von Mannswörth sind für das Jahr 2025 14.600 Fahrzeuge prognostiziert. Das ist eine Verdreifachung der Ist-Situation", warnt Krenn.

Ausbau der S-Bahn

Um der Situation Herr zu werden, müsse der öffentliche Verkehr ausgebaut werden. Doch davon sei in den Unterlagen keine Rede, kritisiert die Aktivistin. Sie nimmt auch das Land NÖ in die Pflicht: "Es hat für ein attraktives Bahnangebot für die Pendler der Region und die Flughafenreisenden zu sorgen." So solle die S-Bahn bis zum Airport im Viertelstundentakt fahren und unter der Woche auf Kurzzüge verzichtet werden. An Pendler-Brennpunkten könnten Park-and-Ride-Anlagen entstehen.

Zur Entlastung der Anrainer fordert Krenn zudem ein Tempolimit von 80 km/h auf der Ostautobahn bis zum Airport. "Die dort errichteten Lärmschutzwände bringen nichts."
Eine "unfaire Verkehrsverteilung" befürchtet auch der Himberger Bürgermeister Erich Klein (SP): "Da kommen massive Belastungen auf uns zu." Er und die Vertreter weiterer Anrainergemeinden fordern eine bessere öffentliche Anbindung des Flughafens. "Der CAT ( City Airport Train ) bringt der Region nichts, weil er bis Wien durchfährt. Man muss auch die Schnellbahn ausbauen", fordert Ortschef Thomas Ram aus Fischamend. Man kritisiert auch, dass der CAT mit neun Euro pro einfacher Fahrt zu teuer sei.

Christian Popp von der NÖ Landesregierung sieht Potenzial bei den Öffis. "Eine Taktverdichtung der S 7 ist anzudenken." Weiters verweist er auf die geplante Götzendorfer Spange. 2015 soll die Inbetriebnahme folgen. Mit ihr würde der Airport eine Verbindung ans internationale Bahnnetz erhalten und das führe laut Experten zu weniger Individualverkehr.