Chronik | Wien 05.12.2011

Schulbeginn am Checkpoint Karli

© Bild: KURIER/Natmessig

Der Resselpark am Karlsplatz ist seit 2005 eine Schutzzone. Geholfen hat das den Schülern der dortigen Schule nur bedingt.

Der erste Schultag ist kurz. Nach nur zwei Stunden dürfen die Taferlklassler der Evangelischen Volksschule Karlsplatz ins Freie. Begleitet von ihren Eltern laufen die Erstklässler an diesem Montag mit ihren Schultüten stolz über den Platz.

Ganz andere Tüten und vor allem Spritzen hatte das Stammklientel am Karlsplatz jahrelang im Sinne. Doch seit 2005 eine Schutzzone eingeführt wurde, hat sich die Drogenszene verlagert. Teils auf andere Orte in der Stadt, teils tiefer in die Karlsplatz-Passage.
Heute ist es sonnig und ruhig im Park, Studenten sitzen in der Wiese, Pensionisten auf den Bänken. Statt gebrauchter Spritzen liegen Bierdosen und kleine Schnapsflaschen in den Abfalleimern.

"Ja, es ist schon viel ruhiger geworden", sagt Heidi Philipp. Ihre Tochter Hanna ist das dritte Kind, das sie in die Volksschule am Karlsplatz schickt, die Schutzzone habe sehr viel bewirkt.

Doch viele Eltern haben nach wie vor Angst. "Wir werden unsere Tochter Johanna immer zur Schule bringen und abholen", sagt Bernhard Leidinger, "die Schutzzone ist leider nicht stark genug überwacht."

Die Schule selbst ist auch nicht frei von Sorgen. Immer wieder verirren sich Drogensüchtige auf das Gelände der Schule. Mindestens ein Mal pro Woche müsse sie Personen auffordern, das Gebäude zu verlassen, erzählt eine Schul-Mitarbeiterin. Auch die Polizei müsse öfters gerufen werden, wenn Besucher nicht gehen wollen.

"Die meisten, die sich in unsere Schule verirren sind Touristen", beruhigt Direktorin Susanne Kleeber. Zwischenfälle mit Drogensüchtigen in der Schule gebe es nur noch "zwei bis drei Mal im Jahr". "Früher war es schlimmer, da lagen gebrauchte Spritzen auf den WCs."

Portier

Seit eineinhalb Jahren schaut ein Portier, dass keine unliebsamen Personen die Schule betreten. "Denn grundsätzlich ist die Schule ein öffentliches Gebäude", erklärt die Direktorin, "der Portier gibt Auskunft und Sicherheit." Die Direktorin will unterdessen auch mehr Sicherheit für ihre Schüler. "Ich wünsche mir Überwachungskameras."
Die Schüler der Mittelschule im selben Gebäude nehmen die Situation schon gelassen. So wie Ibrahim Atdia, der täglich aus Favoriten zum Karlsplatz fährt: "Wenn mich so einer anspricht, gehe ich einfach weiter."

Schutzzone: So funktioniert sie

Schutz Eine Schutzzone soll primär Kinder und Jugendliche schützen. Gibt es gehäufte Straftaten vor Schulen und Kindergärten, wird ein Bereich von bis zu 150 Metern um das Objekt als Schutzzone definiert.

Wegweisung In dieser Zone können Polizisten Personen, die verdächtig sind, eine Straftat begehen zu können (etwa mit Drogen zu dealen), aus der Schutzzone weisen und ein Betretungsverbot verhängen.

Strafe Wer trotz des Verbots die Zone betritt, muss mit 360 Euro Geldstrafe oder zwei Wochen Gefängnis rechnen.

Erstellt am 05.12.2011