© APA/Hans Klaus Techt

Floridsdorf
06/12/2014

Schaffner schwer verletzt: 19 Monate Haft

HIV-Positiver schlug ÖBB-Bediensteten mit Wodkaflasche und biss ihm in die Wade.

Weil er einen Schaffner am Abend des 5. Oktober 2013 in Wien-Floridsdorf mit einer leeren Wodkaflasche attackiert und dem ÖBB-Bediensteten auch noch in die Wade gebissen hatte, ist ein 23-Jähriger am Donnerstag im Straflandesgericht zu insgesamt 19 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden.

"Ich bekenne mich zu dem schuldig", sagte der Angeklagte. Er habe allerdings "keine Erinnerung an die Tat an sich. Ich war schwer besoffen und auf Drogen". Er habe daher "einen kompletten Filmriss".

Der mehrfach vorbestrafte Gewalttäter hatte gegen 20.00 Uhr im Bahnhof Floridsdorf den 48-jährigen ÖBB-Mitarbeiter auf einem Bahnsteig angesprochen und um eine Zigarette gebeten. Der Schaffner ist Nichtraucher, daher war für den alkoholisierten jungen Mann nichts zu holen. Daraufhin schlug er dem Mann die Glasflasche auf den Kopf.

Täter HIV-positiv

Mithilfe von Passanten überwältigte der ÖBB-Bedienstete den Gewalttäter, wobei dieser ihm eine Bisswunde zufügte. Nachdem der Täter von der Polizei festgenommen wurde, stellte sich heraus, dass dieser HIV-positiv ist. Der Schaffner musste sich infolge des Risikokontakts einer Postexpositions-Prophylaxe unterziehen und blieb über Wochen hinweg im Unklaren, ob er sich mit dem HI-Virus infiziert hatte.

"Der Mann hatte drei Monate Angst, dass er sich angesteckt hat", stellte die Wiener Rechtsanwältin Andrea Weisert fest, die sich im Namen des Schaffners und der ÖBB als Privatbeteiligte dem Strafverfahren angeschlossen hatte. Auch als klar war, dass er nicht erkrankt war, hätten dem 48-Jährigen Angstzustände und Albträume zu schaffen gemacht: "Er war eine Zeit lang arbeitsunfähig."

Frühere Verurteilung

Ein medizinisches Gutachten qualifizierte die Folgen des Angriffs als schwere Körperverletzung. Zusätzlich zu den vier Monaten, die Richter Gerald Wagner unter Bedachtnahme auf eine vor wenigen Wochen ergangene Verurteilung zu 15 Monaten wegen schwerer Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs aussprach, wurde dem 23-Jährigen auch eine finanzielle Wiedergutmachung aufgetragen. Laut rechtskräftigem Urteil hat er formal binnen 14 Monaten dem ÖBB-Bediensteten 5.000 Euro zu bezahlen.

Dass der 48-Jährige in absehbarer Zeit davon etwas sehen wird, ist fraglich. "Ich habe keine Ausbildung und keinen Schulabschluss", bemerkte der Angeklagte. Er könne nach seiner Entlassung allenfalls "als Hilfsarbeiter hackeln".

In den vergangenen Wochen und Monaten ist es in der Bundeshauptstadt wiederholt zu massiven Gewalttätigkeiten gegen Personal der ÖBB und der Wiener Linien gekommen. Erst am vergangenen Donnerstag wurde ein Straßenbahnfahrer an der Endstelle der Linie 46 am Joachimsthalerplatz in Wien-Ottakring niedergeschlagen. Der Mann erlitt schwere Kopfverletzungen und musste notoperiert werden.

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