Chronik | Wien
25.02.2014

Sabotage-Akt um den Akademikerball

Mit Schwarzpulver wollte ein Duo den Stromkasten einer schlagenden Verbindung sprengen.

In der Inneren Stadt marschierten Linke mit viel Krawall gegen den Akademikerball in der Hofburg. In der Josefstadt waren sie weitaus stiller. Doch auch hier waren sie am Abend des 24. Jänners aktiv. Ein geplanter Sabotage-Akt gegen die Burschenschaft Teutonia am Tag des Akademikerballs konnte von der Polizei vereitelt werden. Wie erst jetzt bekannt wird, machten sich zwei Täter am Stromkasten des Verbindungshauses in der Piaristengasse zu schaffen. Sie wollten den Stromkasten offenbar sprengen – doch dabei wurden sie auf frischer Tat ertappt.

Die FPÖ spricht im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage von Sprengstoff (siehe Faksimile, Anm.) und ist empört: "In weiterer Folge wurden darüber weder die Mitglieder der betroffenen Burschenschaft, noch die Bewohner des Hauses verständigt."

"Der Entminungsdienst war vor Ort", bestätigt Polizei-Sprecherin Barbara Riehs. Doch sie relativiert: "Es war kein Sprengsatz, wie man sich das vorstellt. Es war ein Feuerwerkskörper chinesischer Herkunft. Natürlich war auch Schwarzpulver drin."

Mittlere Gefahr

Die zwei Unbekannten wollten den schlagenden Burschenschaftern offenbar den Strom abdrehen. Und das wäre ihnen auch gelungen. Bei dem Feuerwerkskörper soll es sich um ein Fabrikat der Klasse drei handeln – und die werden immerhin als "mittlere Gefahr" eingestuft. "Die Anzeige läuft wegen versuchter Sachbeschädigung", sagt Riehs. Die beiden Sprengmeister ergriffen übrigens die Flucht, als sie die Polizei bemerkten.

Schon einmal war Sprengstoff rund um den Akademikerball aufgetaucht. Im Jahr 2012 hatte ein Demonstrant aus Deutschland einen Sprengsatz in Dosenform bei sich. Er wurde von der Polizei festgenommen.

Mehr Erfolg hatten die Gegner des Balles mit Farbbeutel-Attacken gegen diverse Verbindungshäuser in Wien. Und auch da bekam die Teutonia etwas ab. Die Fassade des Hauses, das Wappen über der Tür und das Verbindungsschild wurden mit Farbe beschmiert. Damit befindet sich die Teutonia allerdings in prominenter Gesellschaft. Auch drei weitere Buden in Wien bekamen Farbe ab: Die Moldavia in der Fuhrmanngasse, die Gothia in der Schlösselgasse und die Silesia in der Strozzigasse – allesamt schlagende Verbindungen.

Wien tanzt, 200 Polizisten wachen

Rund um die Wiener Staatsoper wird es zum Ball der Bälle am 27. Februar keine Verbotszone geben. Das bestätigte Dienstag die Polizeispitze. "Es sind zum Opernball keine Versammlungen angemeldet", argumentierte Sprecher Oberst Hans Golob.

Und das, obwohl die Straßenschlachten vom 24. Jänner rund um den Akademikerball, mit 22 Verletzten und über einer Million Euro Sachschaden, Exekutive und City-Geschäftsleuten noch tief in den Knochen stecken.

Trotzdem geht die Exekutive hinter den Kulissen auf Nummer sicher. "Wir rechnen zwar mit keinen Einzelaktionen, müssen sie aber auf der Rechnung haben", bestätigt Golob einen – gegenüber den letzten Jahren – höheren Sensibilisierungsgrad. Das extreme Aggressionspotenzial bei den Ausschreitungen rund um die Hofburg lässt die Verantwortlichen für den internationalen Society-Event am Donnerstag auf der Hut sein. Denn Krawallbrüder (gleichgültig welchen politischen Lagers) würden bei Störaktionen um den Opernball hohe Publicity erreichen.

"Uns ist derzeit aber nicht bekannt, dass Profi-Demonstranten aus Deutschland, wie beim Akademikerball, angesagt sind", erklärte Golob.

Trotzdem startete die Innensicherung der Staatsoper heuer schon mit den ersten Ball-Umbauarbeiten im Haus am Ring. Gilt es nicht nur die Gäste vor der Oper zu schützen. Hochkarätige Prominenz aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens könnten auch während des Walzer-Festes zum Ziel verschiedenster Attacken werden. Dem Vernehmen nach stehen zur Sicherung an die 200 Beamte im Einsatz.

Ringsperre

Um den Besuchern eine ungehinderte Anfahrt zum Roten Teppich vor der Oper zu ermöglichen, wird der Ring (zwischen Schwarzenbergplatz und Operngasse) von 20 bis 23 Uhr gesperrt. Die Bim-Linien 1, 2 und D müssen ab 19 Uhr umgeleitet werden und die Linie 71 wird ab 18.30 Uhr kurz geführt. Die Wiener Linien empfehlen den Umstieg auf die U-Bahnen.