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Chronik Wien
02/27/2014

Russischer Auftragsmörder in Wien verhaftet

Anatoly R. soll zumindest vier Bluttaten veranlasst haben. Er wurde seit 2009 gesucht.

von Michaela Reibenwein, Evelyn Peternel

Trunovs Brigade verbreitete Angst und Schrecken in der Region um Nowosibirsk, Russland. Auftragsmorde, Schutzgeld-Erpressungen, Wirtschaftskriminalität und Waffenhandel waren von 1995 bis 2009 in der Hand der 200 Mann großen Organisation. Anatoly R. soll in der Gruppe eine tragende Rolle gespielt haben: Laut Ermittlern war er derjenige, der die Auftragsmorde koordiniert und veranlasst hatte. 2009 tauchte er unter. Am Dienstag um 13.20 Uhr fassten ihn die Spezialkräfte der Cobra – mitten in Wien. Der international gesuchte, mutmaßliche Mörder wurde in der Landstraßer Hauptstraße bei einem Postamtsbesuch von der Spezialeinheit festgenommen – gleich in der Nähe seines Wohnortes.

Politiker erschossen

Zumindest an vier Morden, einem Mordversuch und einem weiteren geplanten Mordkomplott soll der heute 38-Jährige mit Spitznamen "Celentano" beteiligt gewesen sein. Auch der Vizebürgermeister von Nowosibirsk, Igor Beljakov, war unter den Opfern. Er wurde durch mehrere Schüsse aus einer Kalaschnikow getötet, als er in seinem Auto saß. Und auch der Tod von Valerij Marjasov, ein Spitzenbeamter der Stadt, soll auf das Konto der Brigade gehen.

Von seiner Verhaftung war Anatoly R. überrascht. "Er hat sich nicht gewehrt, war auch nicht bewaffnet", sagt Mario Hejl, Sprecher des Bundeskriminalamtes. Ermittler aus Moskau und Novosibirsk identifizierten ihn. Bei seinen Einvernahmen gab er sich schweigsam.

Falsche Dokumente

"Der Gesuchte hat unter falschem Namen und mit gefälschten Dokumenten in Wien gelebt. Er hat sich hier ein neues Leben aufgebaut", erklärt Hejl. Er war auch seit 2011 in Wien gemeldet. Wovon er gelebt hat und ob er für Straftaten in Österreich infrage kommt, sei noch Teil der Ermittlungen. Unbekannt ist auch, wo sich der Gesuchte zwischen 2009 und 2011 aufgehalten hatte.

Der Russe befindet sich in Auslieferungshaft in der Justizanstalt Josefstadt und soll so rasch wie möglich an die russischen Behörden ausgeliefert werden.

Anatoly R. war aus seiner Heimat abgetaucht, als Trunovs Brigade ausgehoben wurde. Sieben Mitgliedern, darunter auch Aleksandr Trunov selbst, wurde damals der Prozess gemacht. Trunov wurde zu 22 Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.

Im Visier

Anatoly R. hatte stets seine Schuldlosigkeit beteuert, unter anderem in einem YouTube-Video, nachdem er mehrmals aus Mangel an Beweisen freigelassen werden musste. Teils laufen die Verfahren gegen die Mitglieder noch. Unter anderem gegen den neuen Vizebürgermeister von Nowosibrisk, Alexandr Solodkin. Er befindet sich in Haft und wurde seines Amtes enthoben.

Trunovs Brigade war hierarchisch strukturiert und in diverse Abteilungen untergliedert. Eine Gruppe kümmerte sich um die Eintreibung von Schutzgeld, eine andere um die Auftragsmorde. Eine weitere war für den Schutz des Capos verantwortlich. Unter den Mitgliedern sollen sich auch Polizisten und Beamte befunden haben.

Bei der Durchsuchung eines Lagerhauses fanden Ermittler zahlreiche Schusswaffen. Diese sollen auch für die Morde eingesetzt worden sein.

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