Chronik | Wien 11.12.2011

Rodelstraße in der Sackgasse

Die Schwenkgasse in Wien-Meidling wird heuer erstmals nicht für die Kinder freigegeben. Juristen legen den Rodelspaß auf Eis, Eltern toben.

Heuer hätte die Rodelstraße in der Meidlinger Schwenkgasse ihr 50. Jubiläum gefeiert, vermutlich still und leise. Doch statt Feierlaune dürften die Kinder ohnehin eher Tränen in den Augen haben. Denn wenn der Winter doch noch kommt, werden sie hier auf das übliche Wintervergnügen verzichten müssen.

"Ich habe sowohl von der MA 48 als auch von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou je ein Schreiben bekommen. In beiden wird festgestellt, dass die Rodelstraße so nicht mehr in Betrieb gehen kann, in erster Linie aus Sicherheitsgründen", sagte Bezirksvorsteherin Gabriele Votava (SPÖ) laut ORF.

Doch es heißt, dass vor allem ein internes Rechtsgutachten des Magistrats den Anstoß gegeben hat. Demnach haftet derjenige Mitarbeiter, der die Straße für den Verkehr sperrt, mit seinem Privatvermögen bei einem Unfall. Dieses Risiko will verständlicherweise kein Beamter eingehen. "Bisher hat die MA 48 den Betrieb durchgeführt und es kann nicht sein, dass nach jahrelangem, reibungslosem Rodelvergnügen plötzlich das Aus droht", sagt der Grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch. "Die Einbindung der MA 48 ist aber in jedem Fall eine Grundvoraussetzung für Rodelstraßen, da sie zum Beispiel dafür zuständig ist, Schneeräumungen zeitgerecht zu stoppen. Außerdem ist die MA 48 im Winter bei Schneefall rund um die Uhr besetzt und hat auch die neuesten Wetterprognosen, um rechtzeitig vor dem Schneefall die Straße sperren zu können."

Proteste

Die Eltern der umliegenden Häuser haben nun eine Bürgerinitiative gegründet und wollen gegen das Aus für die Rodelstraße protestieren. Einen runden Tisch im Bezirk hat es laut KURIER-Recherchen kürzlich gegeben. Dabei wollte keine der Dienststellen im Rathaus die Haftung übernehmen. Somit wird der vor einigen Jahren errichtete Schranken erstmals oben bleiben. „Ich bedauere zutiefst, dass es keine Rodelbahn geben wird. Rechts- und Haftungsfragen sind damit erledigt, aber der winterliche Spaß vieler Kinder ebenso“, ärgert sich Votava.

( Kurier ) Erstellt am 11.12.2011