Chronik | Wien
05.12.2011

Risikofrei den Sommer genießen

Schrebergarten und Gänsehäufel: Während die einen in den Ferien im Ausland weilen, genießen die anderen die Zeit in heimischen Gefilden.

Christian und Hermine Niesner haben sich ihr eigenes kleines Reich geschaffen: in ihrem Kleingarten auf der Schmelz. Zwischen selbst angepflanztem Obst und Gemüse, Blumen und jeder Menge Handwerkszeug fühlen sie sich rundum wohl. So wohl, dass sie im Sommer gerne auf eine Urlaubsreise verzichten. "Im Ausland ist es uns gerade einfach zu unsicher. Man weiß ja nie, ob in Tunesien ein Krieg ausbricht und ob die Busse in Griechenland fahren oder nicht", erklärt Christian ernst.

Da genießen die beiden den Sommer lieber in ihrem Garten. Hermine zeigt auf einen kleinen Pool mit Holzfassade: "Wir haben hier sogar unser eigenes Meer", sagt sie lachend. Einsam sind sie nicht: Die Nachbarn leisten den beiden oft Gesellschaft. "Wir treffen einander zum Plaudern und Kaffee trinken. Kleingärtner sind ein ganz eigenes Volk", erzählt das Paar begeistert. Auch ihr Kater profitiert von den guten Beziehungen: "Er streicht von Garten zu Garten und lässt sich überall verwöhnen."

Wenn Hermine und Christian doch noch das Fernweh packt, erkunden sie im Herbst oder Winter Österreich: Manchmal machen sie Städtereisen oder Wellnesstrips, dann wieder Kurzurlaube in den Bergen. "Man soll auch die heimische Wirtschaft unterstützen und das Geld im eigenen Land ausgeben", sagen sie. Urlaubsfavoriten gibt es für sie aber nur einen: den eigenen Garten.

Ferien im Gänsehäufel

Im Gänsehäufel ist man zu Hause und doch nicht daheim." Gerda Pillmann, 67, schenkt sich vom mitgebrachten Kaffee nach und macht es sich im Gartenstuhl bequem. Die Pensionistin ist seit elf Jahren stolze Mieterin einer der heiß-begehrten Kabinen am Weststrand des größten Freibads Österreichs. "Pensionistenstrand" wird dieser Abschnitt von Stammgästen scherzend genannt. Hier genießt Gerda die Ruhe abseits vom bunten Treiben um die Becken.

Elf Jahre Gänsehäufel heißen in Gerdas Fall auch elf Jahre ohne Urlaub. Seit sie die kleine Kabine an der alten Donau bezogen hat, hat Gerda keine größere Urlaubsreise mehr unternommen. "Ich muss nicht wegfahren", sagt sie. "Mir fehlt es hier an nichts." Und wirklich, vom Kaffeeservice bis hin zum Gartentisch, vom Liegestuhl bis zur Kühltasche mit Jause lässt sich alles in der Kabine verstauen. "Ich verbringe den ganzen Sommer hier. Ein wunderbarer Ersatzurlaub. "

Wie im Urlaub

Auch Manfred Walter verbringt die warme Jahreszeit in Wien. Er ist Besitzer eines Fahrradverleihs auf der Copa Cagrana. Von März bis Oktober arbeitet er jeden Tag bis zu zwölf Stunden, um Touristen eine Freiluft-Tour zu ermöglichen. Wenn es sich ergebe, hole er die eigene Urlaubsreise aber einfach im Winter nach, erklärt der Familienvater. Dass er im Sommer nicht wegfahren kann, ärgert ihn nicht: "Auf der Copa Cagrana ist's eh wie im Urlaub", zeigt er sich optimistisch.

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