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Chronik Wien

Revierkämpfe im Rotlicht-Milieu

Rumänische Zuhälter versuchen die Konkurrenz um den Auhof zu vertreiben. Ein Bordellbetreiber rief die Polizei zu Hilfe.

von Michael Berger

12/05/2011, 07:42 AM

Die Stadt machte am Mittwoch beim empfohlenen Straßenstrich am Auhof einen Rückzieher. "Es gibt massive Sicherheitsbedenken", so eine Sprecherin der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger. Tatsächlich aber floriert der Straßenstrich an der Stadtgrenze immer besser. Bei der Einfahrt zum Auhof-Parkplatz warten zwei Mädchen auf Freier. Beim KURIER-Lokalaugenschein Mittwochnacht ist es bitterkalt. Die Szene wirkt bizarr. Nebelschwaden verschlucken die Prostituierten. Erst die Scheinwerfer der Autos und das matte Licht der Parkplatzbeleuchtung macht die frierenden Frauen - in Schaftstiefel, Strümpfe und Bodies gezwängt - erkennbar. Mindestens 20 Mädchen bieten ihren Körper für Geld an. Sogar an diesem trostlosen Standplatz läuft das Geschäft. Denn ein gutes Dutzend Pkw kurvt im Schritttempo über den Auhof-Parkplatz. 20 bis 50 Euro, je nach Zeit und Programm verlangen die zumeist rumänischen Prostituierten für ihre Dienste im Auto.

Die KURIER-Reporter blieben stehen und fragten nach. Und ernteten "Hiebe statt Liebe". Denn als die Fotokamera entdeckt wurde, schlug die käufliche Dame auf das Wagendach und stelzte in die Nebelsuppe zurück. Der Tankwart auf der BP-Tankstelle war ebenfalls grantig: "Das Geld wird den Mädels von den Zuhältern sofort abgenommen. Es werden immer mehr Frauen und Abkassierer. Das ist ein Störfaktor."

Gereizte Stimmung

Hinter den Kulissen sorgt dieser Störfaktor in der Nachbarschaft für gereizte Stimmung. Denn der Bordell-Club 123 an der Hauptstraße - zwei Kilometer vom Auhof entfernt - rückte ins Visier der rumänischen Zuhälter. Inhaber, Tommy N., 55, Ex-Gürtelgröße und seine rechte Hand, Barkeeper Franz Petrak sprachen mit dem KURIER.

"Vor drei Wochen wollten neun Rumänen unser Lokal stürmen. Sie suchten angeblich eine Prostituierte. Ich konnte gerade noch die Eingangstüre ins Schloss werfen", erzählt Petrak. "Und vergangenen Sonntag kamen sie wieder. Diesmal schummelten sich zwei rumänische Zuhälter als Gäste ins Lokal, wollten wissen, was unsere Mädchen verdienen und wie viele Zimmer wir haben. Auf der Straße wartete der Rest der Truppe. Die wollten uns einschüchtern", weiß Tommy N.

Konkurrenten erschossen

Sein Anwalt, Martin Lehner, riet ihm, die Polizei zu kontaktieren. Mittwochnacht schauten die Ermittler der Rotlicht-Gruppe Lager beim Bordellbesitzer vorbei. Aus gutem Grund: Die Situation soll auf keinen Fall eskalieren. Denn Tommy N. erschoss vor 30 Jahren einen Rotlicht-Konkurrenten auf offener Straße. Urteil: 18 Jahre Haft. In Freiheit baute er den Club 123 an der Stadtgrenze auf. "Mit 55 will ich meine Ruhe haben. Ich will keinen Krieg. Daher der Polizeikontakt", so N. knapp. Die Ermittler rieten ihm, Kameras zu installieren und bei Auffälligkeiten den Notruf 133 zu wählen. Polizeistreifen lehnte N. ab. Die Beamten behalten die Situation im Auge und legten zu den Vorfällen einen Akt an.

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