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Auf Streife in der Nacht-U-Bahn

Die neue Bereitschaftseinheit der Wiener Polizei zeigt Präsenz, auch im Nachtleben.
Drei österreichische Polizisten in Uniform stehen in einer U-Bahn.

Es regnet in Strömen, als die fünf Polizisten der Bereitschaftseinheit und ihr Gruppenkommandant am späten Freitagabend mit der Streife in der U-Bahn beginnen. Acht weitere Gruppen sind in dieser Nacht in ganz Wien unterwegs, insgesamt sind es 48 Polizisten. Für „Tosca 42“, so der Codename der Gruppe, geht es bei der Station Spittelau los. Die fünf jungen Beamten haben erst im vergangenen Juni die Polizeischule abgeschlossen. Für sie ist es der erste Einsatz in der Nacht-U-Bahn.

Prävention ist das Motto der Streife auf Bahnsteigen und Stationen. „Wichtig ist, Präsenz zu zeigen“, erklärt Kompanie-Kommandant Gerald Lischka. Die Gruppe steigt in die U6 ein und fährt zum Hotspot Westbahnhof. Viele Menschen, die ihre gute Laune nicht zuletzt dem Alkoholkonsum verdanken, sind unterwegs. Zwei 17-Jährige mit einer großen Plastikflasche Wein in der Hand, provozieren durch ständiges Auf- und Abgehen vor der Polizei. „Sind wir heute lustig drauf?“, fragt Inspektor Slavi Glisic und fordert ihre Ausweise. Nach einer Standpauke ziehen die Teenager davon.

Hotspot-Streife

Bei den Liften stehen zwei Stationswärter der Wiener Linien. Die Polizisten grüßen. „Man kennt einander, schließlich arbeitet man ja zusammen“, sagt Lischka. Am Bahnsteig der Linie U3 entdecken die Kontrolleure zwei schlafende rumänische Bettlerinnen. „Eine Dame haben wir heute schon mit dem Becher in der Hand getroffen“, erzählt Gruppenkommandant Michael Schimper. Er überprüft die Personalien und verweist die Frauen an die Notschlafstelle. Plötzlich kippt ein Mann vor den Liften beim Bahnsteig um. Sofort eilen die Polizisten zu ihm. Mit Sanitätern wird der Alkoholisierte in den Rettungswagen gebracht.

Weiter geht es mit der U3 zum Stephansplatz. Im Zug fällt den Polizisten ein Mann mit einem großen Strauß Rosen in der Hand auf. „Möglicherweise ein illegaler Blumenverkäufer“, sagt Glisic. In der Station Volkstheater steigen sie aus und überprüfen den Mann. „Die Rosen sind für meine Frau“, erklärt er. Offene Strafen hat er keine. „Auch wenn das Bauchgefühl was anderes sagt, wir haben ihn nicht auf frischer Tat ertappt“, sagt Inspektor Glisic und lässt ihn gehen.

Keine U-Bahn-Polizei

Im November 2012 wurde die Bereitschaftseinheit ins Leben gerufen. „Zur Entlastung des Stadtpolizeikommandos. Früher machten sie die Streifen in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Jetzt übernehmen wir das“, erklärt Manfred Ihle, Chef der Einheit. Als U-Bahn-Polizei sieht Oberstleutnant Ihle seine Abteilung jedoch nicht: „Wir werden dort eingesetzt, wo schnell Leute gebraucht werden: Suche nach Abgängigen, Fliegerbomben, Streifen nach einer Einbruchsserie oder spontane Demonstrationen.“

Jeder Jungpolizist in Wien, der mindestens ein halbes Jahr auf einer Polizeiinspektion war, muss sechs Monate zur Bereitschaftspolizei. Die Einheit ist sozusagen die „Schmiede für Jungpolizisten“. Aktuell versehen rund 120 Beamte bei der Bereitschaftseinheit ihren Dienst. 30 davon gehören zum Stammpersonal, der Rest sind Jungpolizisten. „Sie lernen hier das gesamte Spektrum der polizeilichen Arbeit kennen“, erklärt Ihle.

Für „Tosca 42“ geht es gegen ein Uhr Früh zurück ins Quartier. „Jetzt haben wir eine Stunde Zeit um Anzeigen zu schreiben und etwas sitzen wäre nicht schlecht“, sagt Revierinspektor Schimper, der seit 7 Uhr Früh im Dienst ist. Nach der Pause geht die Streife weiter.

Bereitschaftseinheit

Seit 1. November 2012 ist die Wiener Bereitschaftspolizei im Einsatz. Die Bilanz nach einem halben Jahr: Bis 30. April wurden 26.730 Identitätsfeststellungen durchgeführt, 661 Personen wurden festgenommen. Davon 298 wegen gerichtlich strafbarer Handlungen, 18 mit nationalem bzw. internationalem Haftbefehl. 268 Festnahmen lagen fremdenrechtlichen und 95 verwaltungsrechtlichen Bestimmungen zugrunde. 4400 Autos wurden kontrolliert, 3671 Anzeigen ausgestellt. 5100 Alko-Vortests wurden durchgeführt, 43 Führerscheine entzogen. Die Polizisten stellten 2481 Organmandate zu insgesamt 79.705 Euro aus.

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