Chronik | Wien
03.12.2016

Rechtsextremismus ist bei Jungen auf dem Vormarsch

1800 Anrufe gab es in den ersten beiden Jahren seit Bestehen der Extremismus-Hotline.

In die Schule ging der junge Mann nicht mehr. Stattdessen wandte er sich der rechtsextremen Szene zu. Die Eltern waren ratlos. Eine junge Frau wollte Kindergärtnerin werden, scheiterte aber an der Aufnahmeprüfung der Schule, weil sie nicht singen kann. Beim AMS traf sie andere junge Frauen. Singen sei in ihrer Religion „haram“, also verboten. In Syrien könne sie jederzeit Kinder betreuen. Sie heiratete via Skype einen IS-Kämpfer. Drei Mal versuchte sie auszureisen.

Es sind Fälle wie diese, die bei der Beratungsstelle Extremismus des Bundesministeriums für Familien und Jugend landen. Seit zwei Jahren gibt es sie. 1800 Anrufe hat es seither gegeben. „Das Thema ist leider noch immer relevant. Speziell im Wahlkampf werden auch die Extremäußerungen immer mehr“, sagt Ministerin Sophie Karmasin.

Der IS ist out

Doch die Schwerpunkte der Arbeit hätten sich in den zwei Jahren ein wenig verändert. So gebe es kaum noch Jugendliche, die sich dem IS anschließen wollen. „Weil viele gestorben sind und es nicht mehr so attraktiv ist, hinzufahren.“ Gleichzeitig würden die Kontakte wegen rechtsextremer Äußerungen zunehmen. „Auf geringem Niveau“, gibt Verena Fabris, Leiterin der Beratungsstelle, zu. Rechtsextremismus ist für vier Prozent der Anrufe der Grund – eine Verdoppelung.

Zumeist sind es Angehörige und Freunde, die Hilfe suchen, in 16 Prozent aber auch Lehrer. „Wir können bei Problemen relativ lange begleiten, arbeiten mit anderen Stellen zusammen“, sagt Fabris. Das Angebot ist anonym und kostenlos: 0800/20 20 44.