Chronik | Wien
08.01.2012

Razzia der Finanz beim Pizzabäcker

Im Kampf gegen Schwarzarbeit nimmt die Finanzpolizei nun verstärkt Fast-Food-Lokale ins Visier. Denn viele Pizzazusteller sind nicht angemeldet.

Dem Pizzabäcker tritt der Schweiß auf die Stirn. Es ist aber nicht die Hitze des Ofens, die dem Mittvierziger zu schaffen macht, sondern der unerwartete Besuch: Ein halbes Dutzend Finanzbeamter steht plötzlich in seinem winzigen Lokal in Wien-Alsergrund.
Doch nicht nur der Bäcker wurde an diesem Tag von den Beamten überrascht. In ganz Österreich führten insgesamt elf Einheiten der Finanzpolizei Razzien in den Filialen eines großen Zustellers von Pizzen durch.

„Wir haben diese Branche schon länger im Auge“, sagt der Finanzpolizist Franz Kurz. Denn die mittlerweile handelsüblichen Schleuderpreise für die Zustellung von Pizzen und Fast Food weckten das Misstrauen der Beamten.

„Wir haben den Verdacht, dass hier Abgabenhinterziehung im großen Stil betrieben wird. Anders sind diese Preise nicht zu erklären“, sagt Kurz.

Besonders im Visier der Finanzpolizei sind die Arbeitsverträge mit den Auslieferern der Ware, den Pizzaboten. Franz Kurz: „Die Inhaber behaupten meist, dass die Zusteller selbstständig arbeiten und man sie daher nicht bei der Sozialversicherung anmelden müsste.“ Der Finanzbeamte sieht das anders: Er ortet „Scheinselbstständigkeit“ und Abgabenhinterziehung.

Ausweiskontrolle

Um herauszufinden, wie das Arbeitsverhältnis tatsächlich ist, zetteln die Beamten einen Papierkrieg in dem winzigen Lokal an. Ausweise, eCards, Arbeitspapiere – alle Daten werden per Laptop sofort mit der Datenbank abgeglichen.

Auch dem Pizzazusteller, der an einem der Tische sitzt und auf Aufträge wartet, tritt bei der Kontrolle der Schweiß auf die Stirn. Sorgen müsste er sich dabei keine machen. Denn
gestraft wird ausschließlich der Arbeitgeber, der seinen Auslieferer nicht bei der Sozialversicherung anmeldet.

Obwohl es um die Kontrolle der Arbeitsverhältnisse geht, nehmen die Beamten auch die Kassa im Geschäft unter die Lupe. "Manipulierte Kassen, die eine doppelte Buchführung ermöglichen, sind sehr häufig. Und wenn wir schon hier sind, machen wir gleich das Full-Service", sagt Kurz.

Am Ende des Kontrolltages hat die Finanzpolizei österreichweit 42 Anzeigen gegen die Lokalkette eingebracht. 24 Pizzaboten waren nicht bei der Sozialversicherung angemeldet. In 18 Fällen hatten die Leute erst gar keine arbeitsrechtlichen Unterlagen. Auch sie wurden angezeigt. Franz Kurz und sein Team verlassen endlich das winzige Pizzalokal in Wien-Alsergrund. Aufatmen kann Kurz noch nicht: "Diese Kontrolle war erst der Anfang. 2012 wird es zahlreiche weitere Aktionen geben."