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Chronik Wien
10/01/2012

Rassistischer Übergriff auf Caritas-Aktion

Sie sind maskiert, wettern gegen Toleranz und überkleben Straßenschilder mit provokanten Parolen: Wer steckt hinter den "Identitären Wiens"?

von Martin Gantner

Es dauerte nur wenige Minuten – Minuten, die sich für viele wie eine halbe Ewigkeit angefühlt haben dürften. Am Samstag, um 11.40 Uhr kam es am Schlingermarkt in Floridsdorf zu einem ungewöhnlichen, offenbar rassistisch motivierten Übergriff. Bei einer Tanzveranstaltung der Caritas tauchten plötzlich zehn maskierte Männer auf. Sie verbargen ihre Gesichter hinter Schweins- und Affenmasken sowie hinter jener Fratze, mit der ein Mann im Kinofilm "Scream" mehrere Jugendliche kaltblütig massakriert.

"Die Männer umzingelten einige Teilnehmer des afro-haitianischen Tanzworkshops und jagten ihnen furchtbare Angst ein", sagt Caritas-Sprecher Klaus Schwertner im Gespräch mit dem KURIER. Eine Teilnehmerin erinnert sich: "Die ganze Aktion dauerte wahrscheinlich nur drei Minuten, angefühlt hat es sich aber wie eine halbe Ewigkeit. Ich hatte schreckliche Angst."

Die maskierten Männer hielten ein Schild in die Höhe und ließen Zettel mit dem Slogan "Zertanz die Toleranz" zurück. Nach der Störaktion rannten sie sofort davon. Verletzt wurde niemand. "Wir sind aber entsetzt über diese rassistisch motivierte Aktion und haben sofort Anzeige bei der Polizei erstattet", sagt Schwertner. "Hier geht es um Angstmache und Hetze und diese verurteilen wir scharf."

Bislang unbekannte Gruppe

Doch wer steckt hinter der gespenstischen Aktion? Wer verkleidet sich, um Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit zum Teil körperlichen Beeinträchtigungen zu attackieren?

Auf Facebook outete sich am Montag die bislang unbekannte Gruppe "Die Identitären in Wien" zu dem Übergriff. Es war nicht die erste Aktion der Gruppe, die "das echte Wien aus seinem Dämmerschlaf reißen" möchte. Bereits im August dürften die Jugendlichen mehrere Ortsschilder Wiens mit dem Schriftzug "Istanbul?" überklebt haben. Auf ihrer Webseite wird zwar betont, dass man gegen Rassismus auftrete, gleichzeitig wird aber gegen Islamisierung und Gutmenschen gewettert und der Verlust der österreichischen Identität beklagt.

Bei Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) kannte man bislang nur den Webauftritt der Aktivisten. "Eine änliche Bewegung gibt es bereits in Frankreich", sagt ein Mitarbeiter. "Gemein ist beiden, dass sie vor dem Untergang des christlichen Abendlands warnen."

Weitere Aktionen dürften folgen. Immerhin ist auf der Webseite der "Identitären" auch ein martialischer Schlachtruf zu finden. "Wir werden Wien verteidigen und wenn es das Letzte ist, was wir tun." Und am Ende: "Ihr werdet unsere Zeichen sehen und wieder von uns hören!"

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