Chronik | Wien
17.12.2011

Rätsel um Prinz Eugens Winterpalais

Vor mehr als 300 Jahren ließ „der edle Ritter“ das heutige Finanzministerium errichten. Die Zukunft des Barockpalastes ist ungewiss.

Der Wunsch klang eher bescheiden. Er möge ihm „eine standesgemäße Wohnung bauen“, deponierte Prinz Eugen beim Architekten Fischer von Erlach. Es wurde daraus einer der imposantesten Paläste Wiens, den der „edle Ritter“ in den Wintermonaten bewohnte, ehe das Gebäude zum Finanzministerium wurde. Nun erklärte Finanzministerin Maria Fekter, dass ihre Beamten das historische Palais in der Wiener Himmelpfortgasse möglicherweise nie wieder beziehen werden.

Das zurzeit in Renovierung befindliche Winterpalais ist ein Bauwerk von wahrhaft gewaltiger Dimension, entstanden auf vier Grundstücken, deren Häuser Prinz Eugen nach und nach kaufte und abtragen ließ. Die hofseitigen Zimmer im Palais waren Wohnräume, die Salons an der Gassenfront dienten der Repräsentation. Der als exaltiert geltende Prinz hatte 1695 dem berühmten Architekten Bernhard Fischer von Erlach den Auftrag zur Planung des Palastes erteilt, zerstritt sich mit ihm jedoch und ließ den Bau durch den nicht minder großen Lukas von Hildebrandt fertigstellen. Leicht hatte es auch der nicht, da Eugen mit seinen Baumeistern ähnlich autoritär umging wie mit seinen Soldaten. Die Bauzeit dauerte fast 30 Jahre.

 

Vom Feldlager

Das über eine eindrucksvolle Prunkstiege begehbare, mit erlesenen Gemälden, Fresken und Möbeln ausgestattete Palais zählt zu den wertvollsten Barockbauten Wiens. Erstaunlich ist, dass Eugen nicht nur in Friedensjahren Zeit fand, sich um die Bauplanung zu kümmern, sondern seinen Architekten auch von weit entfernten Kriegsschauplätzen Anweisungen sandte. Auch instruierte er vom Feldlager aus seine Mittelsmänner, welche Kunstwerke sie für das Palais anzuschaffen hätten.

Man fragt sich, wie der aus verarmtem Adel stammende Prinz die gewaltigen Mittel aufbrachte, gleich mehrere Paläste zu bauen. Eugen war 1683 mit knapp 20 Jahren verschuldet nach Wien gekommen und brachte es hier zum größten Bauherrn seiner Zeit , der ein Vermögen von zwei Millionen Gulden (heute rund 100 Millionen €) hinterließ. Zu seinen Palästen zählen neben dem Winterpalais noch das prunkvolle Wiener Schloss Belvedere auf der heutigen Prinz-Eugen-Straße, die Marchfelder Schlösser Schlosshof Engelhartstetten, Niederweiden sowie Schloss Ráczkeve bei Budapest.

Feldherr

Wie aber kam er zu so gigantischen Besitzungen? Nur zu einem geringen Teil durch eine spätere Erbschaft, den Löwenanteil seines Vermögens verdankte er dem Aufstieg zum bedeutendsten Feldherrn seiner Zeit. Eugen hatte sich auf vielen Schlachtfeldern bewährt, die Habsburger wussten, dass Österreich durch Eugens strategisches Genie seine Stellung als europäische Großmacht verteidigen konnte. Und das Kaiserhaus ließ sich das was kosten: Der Nationalheld bekam neben einem fürstlichen Gehalt auch wertvolle Ländereien und Zuwendungen.

Platonisch

Prinz Eugen, der ganz offen sagte, er „incommodiere sich nicht mit Damen, ein paar schöne Pagen wären besser meine Sache“, galt als homosexuell, hatte aber eine enge platonische Beziehung zur Gräfin Eleonore Batthyány, deren Rat er auch in politischen Fragen gesucht haben soll. Da er kinderlos blieb und kein Testament vorlag, wurde seine Nichte Victoria von Savoyen zur Universalerbin. Habgierig und verständnislos, machte sie alles zu Geld, was Eugen mit Liebe und Sachkenntnis zusammengetragen hatte. Kaiserin Maria Theresia kaufte später seine Schlösser in Wien und im Marchfeld; Eugens Bibliothek und seine Kupferstichsammlung bilden heute noch ganz wesentliche Bestände der Nationalbibliothek und der Albertina.

Im Winterpalais, in dem der Prinz in der Nacht zum 21. April 1736 an einem Lungenleiden starb, ist seit 1848 das österreichische Finanzministerium untergebracht. Die in der Amtszeit von Finanzminister Karl-Heinz Grasser beschlossene Restaurierung des Barock-Juwels soll im Juni nächsten Jahres fertig sein, für Ende 2012 war die Rückkehr der Beamten geplant. Als nun aber der Rechnungshof die Sanierungskosten des Palais scharf kritisierte – zur Zeit Grassers waren 70 Millionen Euro angesetzt, jetzt spricht man bereits von nahezu 200 Millionen – ließ Finanzministerin Maria Fekter via KURIER ausrichten, dass die Rückkehr in die Himmelpfortgasse nicht sicher sei, „die Beamten wollen gar nicht in die City, Stichwort Parkplatzprobleme“, man könne auch anderswo unterkommen.

Kein gutes Geschäft

Was aber würde in diesem Fall aus dem Winterpalais des Prinzen Eugen? Noch will man sich in der Wiener Burghauptmannschaft, die das Gebäude verwaltet, keine Gedanken darüber machen, erklärt aber, dass die Republik Österreich theoretisch die Möglichkeit hätte, den Barockpalast zu verkaufen.

Das freilich wäre kein tolles Geschäft, denn der Wert der 27.000 Quadratmeter großen Liegenschaft liegt laut Immobilienexperten bei rund 200 Millionen Euro. Und das wäre nicht mehr als die Summe, die gerade erst in die Generalsanierung des Gebäudes investiert wurde. Wie sich überhaupt die Frage stellt, ob die Republik Österreich gut beraten wäre, eines ihrer bedeutendsten historischen Objekte auf den Markt zu werfen.

Zur Person: Prinz Eugen von Savoyen

Prinz Eugen Geboren 1663 in Paris. Wegen seiner schmächtigen Figur vom französischen König Ludwig XIV. als Offizier abgelehnt, trat er 1683 als Oberstleutnant in die österreichische Armee ein, wurde deren Oberbefehlshaber und Präsident des Hofkriegsrates (Kriegsminister). „Der edle Ritter“ konnte die Türkengefahr endgültig abwenden und erzielte entscheidende Erfolge im Spanischen Erbfolgekrieg. Er diente den Kaisern Leopold I., Joseph I., und Karl VI., die er auch außenpolitisch beriet.

Bauherr Der wichtigste Bauherr und Kunstmäzen seiner Zeit starb 1736 in seinem Winterpalais, dem heutigen Finanzministerium.