Chronik | Wien 12.01.2013

Ring frei für die Radfahrer?

Wien will prüfen, wo die Radwegbenutzungspflicht fallen könnte. Kontroversen sind vorprogrammiert.

Auf der Ringstraße mit dem Rad fahren? Wenn man Selbstmord begehen möchte, ist das sicher eine gute Idee“, sagt Radlerin Sabina Hebenstreit-Wastl, die gerade auf dem Universitätsring unterwegs ist. Auf dem Radweg, versteht sich. „Hier ist ja auch genügend Platz.“

Auf Basis einer geplanten StVO-Novelle will die Stadt in den nächsten Monaten prüfen, wo die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht machbar und sinnvoll ist. Ist das der Fall, dürfen die Radler dann auch die Fahrbahn benützen. So sollen eine Überlastung von Radwegen vermieden und schnelle von langsamen Radfahrern getrennt werden.

Mögliche Kandidaten für die Überprüfung sind Abschnitte der Zweierlinie, die Argentinierstraße – und eben auch die Ringstraße. Das kündigte der Radbeauftragte Martin Blum am Donnerstag an ( der KURIER berichtete). Nachdem sich zuletzt sogar Bürgermeister Michael Häupl einen Seitenhieb auf Blums bisherige, eher unauffällige Amtsführung nicht verkneifen konnte, sorgt dessen aktuelle Ankündigung für gehörigen Wirbel. „Der Ring kommt für eine Aufhebung sicher nicht infrage“, sagt Martin Hoffer vom ÖAMTC. Er warnt – wie bei anderen stark befahrenen Durchzugsstraßen auch – vor einem vorprogrammierten Verkehrschaos. „Dies wäre nur eine unnötige Provokation jener Autofahrer, die um einen Konsens bemüht sind.“ Und obendrein sei der Radweg um den Ring ohnehin erst vor Kurzem ausgeweitet worden.

24 Stunden nach der Ankündigung ist man in Blums Büro denn auch um Relativierung bemüht: „Die Ringstraße wird sicher nicht die erste sein, die geprüft wird“, betont Sprecher Christian Rupp. Da schon eher beispielsweise die Argentinierstraße, deren Radweg nicht zuletzt wegen des starken Gefälles für Probleme sorgt. „Voraussetzung ist aber in allen Fällen, dass die Sicherheit gegeben ist und der Verkehr nicht gestört wird.“

Pilotprojekte

Nach der Prüfung wird die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht in einzelnen Pilotprojekten getestet, kündigt der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr an. „Es geht nicht darum, den Autofahrern Platz wegzunehmen. Es gibt ja jetzt schon genug Straßen ohne Radweg, wo das auch nicht der Fall ist“, ergänzt Rupp.

Wobei so mancher Radler auch gerne auf der Ringstraße seine Kreise ziehen würde: „Hier ist es auch nicht gefährlicher als sonstwo“, sagt Fahrradbote Hanno „Fortuna“ Ponocny. „Man käme einfach viel schneller voran als auf dem verschlungenen Ring-Radweg.“

Novelle

Am 31. März 2013 soll eine Novelle der StVO in Kraft treten, die unter anderem auch die Radwegbenützungspflicht betrifft. In Einzelfällen wird dann deren Aufhebung erlaubt sein: Wo es die Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs zulassen, sollen sich Radfahrer in den Autoverkehr einreihen dürfen – auch wenn es neben der Fahrbahn einen Radweg gibt.

Derzeitige Ausnahmen

Schon jetzt von der Radwegbenützungspflicht ausgenommen sind unter anderem Rennräder (bei Trainingsfahrten).

( Kurier ) Erstellt am 12.01.2013