Chronik | Wien
24.04.2017

Prozess um Prügelattacke in U-Bahn-Station

U-Bahn-Fahrgast beschwerte sich über Lärm des 31-Jährigen - dieser schlug zu. Opfer erlitt unter anderem einen Nasenbeinbruch. Zwei Jahre unbedingte Haft.

Ein 31-jähriger Mann ist am Montag vor Gericht gestanden, weil er einen U-Bahn-Fahrgast krankenhausreif geprügelt hat, der sich über die Schreierei des Deutschen beschwert hatte. Dem Angeklagten wurde absichtliche schwere Körperverletzung vorgeworfen. Er brach dem 40-Jährigen u.a. die Nase und bohrte seinen Finger in den Augapfel, sodass der Mann eine Unterblutung der Bindehaut erlitt.

Wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung ist Montagnachmittag ein 31-jähriger Deutscher zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Der Richterspruch ist bereits rechtskräftig. Zudem wurden offene bedingte Vorverurteilungen wegen Körperverletzung widerrufen, womit sich die Strafhaft um elf Monate Jahre verlängert.

Vorfall im November 2016

Der 31-Jährige kam in der Nacht auf den 5. November 2016 von seiner Geburtstagsfeier und wollte gegen 3.00 Uhr die U-Bahn von der Längenfeldgasse aus nach Hause nehmen. Da ihm sein Fuß nach einem Skateboard-Unfall schmerzte, er seine Feier nervig fand und die U-Bahn erst in neun Minuten kommen sollte, begann der Deutsche lauthals zu fluchen. Dabei stellte er sich vor den 40-Jährigen, der seelenruhig auf einer Bank saß, und schrie ihn an.

"Kannst du bitte etwas leiser sein"

Der Wiener bat den 31-Jährigen mit den Worten "Kannst du bitte etwas leiser sein" um Ruhe, woraufhin der Deutsche ihn zunächst bespuckte und dann sogleich mit Faustschlägen auf den 40-Jährigen losging. "Ich habe versucht, mich wegzudrehen", doch plötzlich bohrte der Deutsche seinen Finger in das Auge seines Opfers. Der Wiener wusste sich nicht mehr anders zu helfen - es kamen ihm weder andere wartende Fahrgäste zu Hilfe, noch die Passagiere der U-Bahn, die in der Zwischenzeit einfuhr - und biss dem 31-Jährigen kräftig in den Finger. Der Deutsche ließ von ihm kurzzeitig ab, prügelte jedoch gleich wieder mit Ellbogen auf den Mann ein. Erst die alarmierten Polizisten rissen den Rabiaten von seinem Opfer weg.

"Ich habe mich so geärgert, dass die U-Bahn-Anzeige zunächst sechs Minuten und dann neun Minuten Wartezeit angezeigt hat", sagte der Beschuldigte. "Ich hab laut vor mich hingedacht", erzählte er dem Schöffensenat (Vorsitz: Doris Reifenauer). Wie der 40-Jährige ihn dann bat leise zu sein, "war das in einer Art und Weise, das kam nicht gut bei mir an." Da ihm der 40-Jährige extrem aggressiv vorkam, schlug ihm der 31-Jährige vorsorglich ins Gesicht. Richtig hingeschlagen habe er erst, als ihm der Mann in den Finger biss. "Ich hatte Angst, dass er mir den Finger abreißt."

Der 31-Jährige ist wegen Körperverletzungen mehrfach vorbestraft. Bei seiner letzten Verurteilung wurde ihm die Absolvierung einer Anti-Aggressions-Therapie verordnet, die er jedoch nicht mehr antreten konnte, weil er neuerlich festgenommen wurde.