Chronik | Wien
24.02.2015

Prozess um Aliyev-Erpressung vertagt

Der verstorbene Rakhat Aliyev soll in der JA erpresst worden sein. Die Angeklagten bestritten dies.

Im Prozess um eine angebliche Erpressung des am Dienstag um 7.20 Uhr erhängt in seiner Zelle aufgefundenen Rakhat Aliyev ist wenige Stunden später zur Sprache gekommen, dass der ehemalige kasachische Botschafter in Wien in der Justizanstalt (JA) Josefstadt Angst gehabt haben dürfte. Das gab ein Polizist als Zeuge zu Protokoll, der die von Aliyev angezeigte Erpressung untersucht hatte.

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"Er war in Furcht und Unruhe und hatte die Befürchtung, dass die Drohungen wahr gemacht werden", sagte der Chefinspektor im Wiener Straflandesgericht, wo sich zwei Männer verantworten mussten, mit denen sich Aliyev nach seiner Inhaftierung zunächst die Zelle geteilt hatte. Der 52-Jährige, der hinter der Entführung und Ermordung zweier kasachischer Banker stecken soll und der sich deswegen nach Ostern wegen Doppelmordes vor einem Wiener Schwurgericht zu verantworten gehabt hätte, kam am 6. Juni 2014 ins Gefängnis. Seine Mithäftlinge - ein schwer vorbestrafter 41-Jähriger und ein 20-jähriger Bursche - sollen Aliyev ab dem 7. Juni psychisch unter Druck gesetzt und von diesem 3.000 Euro verlangt haben.

Bedrohungen

Was Aliyev der Anklageschrift zufolge konkret angedroht worden sein soll, ist im Lichte der jüngsten Ereignisse kaum zu fassen. Die Mithäftlinge sollen Aliyev erklärt haben, in der Justizanstalt gebe es "viele verrückte Leute". Wenn er, Aliyev, überleben wolle, müsse er bezahlen, ansonsten könne ihn jemand während des Waschens im Duschraum umbringen und dies wie einen Selbstmord aussehen lassen.

Laut Vollzugsdirektion wurde Aliyev im Nassraum seiner Einzelzelle erhängt aufgefunden. Er hätte im Verfahren gegen seine angeblichen Erpresser als Zeuge aussagen sollen. Die beiden sollen ihn derart eingeschüchtert haben, dass Aliyev dem Älteren über seinen Anwalt 1.000 Euro zukommen ließ. Der Jüngere soll Aliyev Schläge angedroht haben, um in den Besitz eines T-Shirts und einer Telefonwertkarte des 52-Jährigen zu gelangen.

Die Angeklagten stellten die Vorwürfe entschieden in Abrede. Er wäre aufgrund einer sprachlichen Barriere gar nicht in der Lage gewesen, Aliyev einzuschüchtern, meinte der 41-Jährige. Aliyev habe kaum Deutsch, er nicht Englisch gesprochen: "Ich hätt' ihn nicht bedrohen können, ich hätt' nicht mit ihm reden können." Wie Verteidiger Nikolaus Rast bemerkte, hätte Aliyev ein Motiv gehabt, die Männer fälschlicherweise zu belasten. Unter Verweis auf die angeblich erlittene Erpressung habe Aliyev um seine Verlegung in eine Einzelzelle angesucht und dies in weiterer Folge auch genehmigt bekommen.

Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

Der Prozess, neben dem Aliyev auch der Mussayev sowie ein früherer Leibwächter Aliyevs angeklagt wurden, soll trotz des Todes des Ex-Diplomaten stattfinden. Einen konkreten Termin gibt es dafür laut Gerichtssprecherin noch keinen.