Prozess: Mutter schüttelte Baby zu Tode

Foto: Schaffer Hans Peter

Die Krankenschwester sprach von einem Unfall. Das Gericht glaubte ihr nicht und verurteilte sie zu eineinhalb Jahren teilbedingt.

Das Protokoll des Notrufs scheint ewig zu dauern. "Legen Sie das Kind flach auf den Boden, beginnen Sie jetzt mit der Beatmung", sagt die Stimme am Notruf der zunehmend panischen Mutter. Endlich trifft der Notarzt in der Wohnung ein und beginnt mit der Wiederbelebung der bewusstlosen, vier Monate alten Lina.

Den Kampf um sein Leben hat der Säugling wenige Tage später verloren. Vor knapp einem Jahr haben sich diese tragischen Szenen in einer Wiener Wohnung abgespielt. Am Dienstag wurde der Mutter von Lina, der 25-jährigen Romana R., im Landesgericht Wien der Prozess gemacht.

Da die Ärzte ein Schütteltrauma bei Lina diagnostiziert hatten, lautete die Anklage auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Romana R. gab zwar zu, das Kind geschüttelt zu haben, "allerdings erst, nachdem es regungslos am Boden lag. Lina ist vom Wickeltisch gestürzt", behauptete die Mutter.

"Panik"

Was die Sache pikant macht, ist die Ausbildung der Frau. "Als Krankenschwester hätten Sie doch wissen müssen, dass man Säuglinge keinesfalls schütteln darf", sagte die Richterin Karin Beber. "Ich war in Panik", antwortete die Mutter unter Tränen, "ich wollte sie mit Schütteln wiederbeleben."

Die tatsächliche Todesursache festzustellen, oblag den Sachverständigen. Und sie griffen dabei zu teils deftigen Mitteln. "Sehen Sie das Kind in meinen Armen?", fragte der Gerichtsmediziner die Anwesenden und spazierte mit einem Kleinkind unter dem Arm vor den Richterstuhl. "Ich beginne es jetzt zu schütteln." Zwei Mal rüttelte der Mediziner das Kind - dann bog sich der Kopf nach hinten und brach ab. Die Anwesenden im Gerichtssaal verstummten, als der Kopf der lebensechten Puppe auf dem Boden aufschlug. Dass zwei Rucke reichen können, um einen Säugling zu töten, daran ließ die Demonstration keinen Zweifel. Tod durch Schütteltrauma lautete die Expertise des Mediziners: "Wäre es ein Sturz gewesen, hätte man Spuren sehen müssen. Die haben wir nicht festgestellt."

Der Schöffensenat schloss sich der Expertise an. Das rechtskräftige Urteil: Eineinhalb Jahre Haft, davon drei Monate unbedingt. Das zweite Kind der Frau, Linas Zwillingsschwester, lebt nun bei den Großeltern.

(kurier) Erstellt am
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