Chronik | Wien
06.07.2017

Doppelmord: Lebenslange Haft für 24-jährigen Ex-Polizisten

"Ich hasse mich dafür jeden Tag": Der 24-Jährige, der seine Freundin und sein Kind getötet hat, bekannte sich schuldig


Es ist eine Familiengeschichte mit vielen traurigen Details. Daniel L. ist der Einzige, der davon noch erzählen kann. Wenn er das nicht kann oder will, verweist er auf die Staatsanwältin, die eingangs schildert, wie er seine schwangere Lebensgefährtin erschossen und seinen 22 Monate alten Sohn erwürgt hat. „Schuldig“, sagt er klar im Straflandesgericht in Wien. Und sehr oft: Ich war in einem negativen Strudel. Ich wünschte, ich hätte eine andere Möglichkeit gesehen.“


Daniel L., 24 Jahre, Polizist. Mörder. Ein junger Mann, der von der Steiermark nach Wien zog um hier in seinem Traumjob zu arbeiten. Der sehr jung eine Familie gründete. Der sich „keine perfekte, aber eine funktionierende Familie“ wünschte. Und der über seine damalige Lebensgefährtin Claudia K. sagt: „Sie war fixiert auf mich. Ich habe drei Jahre lang keinen einzigen Freund getroffen, durfte meine Eltern nicht besuchen.“


Kinderwunsch Die 25-jährige Claudia K., die ihre Erfüllung in der Familie fand. Die sich sehnlich ein zweites Kind wünschte. Die Freundinnen gegenüber mit Stolz über ihren Polizisten-Freund sprach. Ihm aber Vorhaltungen gemacht haben soll. „Hättest was G’scheites gelernt, du hast nie Zeit für uns und bist ein schlechter Vater, du gibst mir kein Geld.“


Am 2. Oktober des Vorjahres griff Daniel L. zu seiner Dienstpistole, wickelte sie in ein T-Shirt und ging damit zu seiner Freundin, die weinend im Bett lag. „Dann habe ich die Augen zugemacht und abgedrückt“, erzählt er. Und weint dabei. „Heute weiß ich, dass es tausend andere Möglichkeiten gegeben hätte.“
Streit gab es in der Beziehung immer wieder. Auch wegen einer jungen Frau, mit der Daniel eine Affäre eingegangen war. Bei ihr konnte er „abschalten. Aber es waren keine Gefühle im Spiel“. Claudia kam dahinter.


Gedanken, Claudia umzubringen, hatte Daniel schon zuvor. Einmal ging er in den Baumarkt, kaufte Blumen, eine Axt und Müllsäcke. „Ich habe eine Überraschung für dich“, schrieb er an Claudia. „Aber als ic h daheim war, war klar, dass ich das nicht kann.“


Einen Tag vor der Tat suchte er im Internet nach „Kopfschuss“ und „Schussabgabe in der Wohnung“. Unmittelbar nach der Tat schrieb er seiner Affäre: „Sorry, hat länger gedauert wegen der Claudia.“ Da hatte er schon begonnen, die Wohnung zu putzen. Claudia hatte viel Blut verloren. Dann ging er mit seinem Sohn Noah und seiner Freundin in einen Vergnügungspark.


Leiche im Koffer Am nächsten Morgen erwürgte er seinen kleinen Buben. „Er hatte ja keine Mutter mehr. Und ich...“ Er verpackte die Leichen in Plastikfolie, lagerte sie im Keller. Dann legte er Claudia in einen Koffer, seinen Sohn in eine Sporttasche, fuhr damit in seine Heimat, in die Steiermark, und legte sie auf einem verlassenen Grundstück ab.


„Ich hasse mich dafür jeden Tag“, sagt der junge Mann vor Gericht.


Verteidigerin Iris Augendoppler appelliert an die Geschworenen: „Er ist kein berechnender, eiskalter Killer. Die tief sitzenden Kränkungen über die Jahre haben ihn an seine Grenzen gebracht. Einfach zu gehen, war damals keine Option für ihn.“ Als ein gemeinsamer Versöhnungs-Urlaub mit Claudia, Noah und Daniels Eltern in Italien zum Fiasko wird, „hat mir das so weh getan. Egal, was ich gemacht habe, es war einfach nicht genug“, schildert er. Da habe er gewusst: Das geht nicht mehr.


Claudias Familie kämpft mit diesem Schicksalsschlag. Eltern und Schwester sind in psychologischer Betreuung. „Wir als Familie müssen schauen, dass wir an diesem Verlust nicht zerbrechen“, sagt Claudias Schwester Cornelia.


Das Urteil der Geschworenen: Lebenslang, nicht rechtskräftig. Claudias Eltern werden außerdem je 25.000 Euro und ihrer Schwester 20.000 Euro Trauerschmerzensgeld zugesprochen.