Flucht aus dem 2. Stock des Heeresspitals: Der Wachebeamte machte so ziemlich alles falsch

© APA/HELMUT FOHRINGER

Justizpanne
09/17/2013

Protokoll einer Häftlingsflucht

Mehrere schwere Fehler eines Justizbeamten führten zur Flucht eines Häftlings aus Wiener Heeresspital.

von Michael Jäger

Elf Jahre Haft lautete das Urteil gegen einen Vergewaltiger. In der Gerichtsverhandlung wurden dem Verurteilten zudem seelische und sexuelle Störungen attestiert. Und es wurde eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verfügt. Trotzdem konnte dieser Häftling bei einem Ausgang ins Wiener Heeresspital auf einfache Weise flüchten. Erst nach zwei Wochen stellte sich der Gesuchte.

Pannenserie

Diese peinliche Panne wurde jetzt von der Justiz minutiös aufgearbeitet. Die internen Untersuchungen brachten dabei ans Tageslicht, dass dem Justizbeamten gleich mehrere schwere Fehler unterlaufen waren, die dann zur Flucht des Häftling geführt hatten.

Fehler Nummer eins: Der Beamte hatte am 3. Mai 2012 den Auftrag erhalten, den gefährlichen Häftling zu einer Untersuchung ins Wiener Heeresspital auszuführen. Der Beamte stand an diesem Tag offenbar unter Zeitdruck. Denn er informierte sich nicht, welch gefährlichen Schützling er da ausführte.

Noch in der Justizanstalt erfolgte der zweite Fehler. Der gestresste Beamte vergaß auch, sein Funkgerät mitzunehmen.

Das war erst der Beginn der Pannenserie. Im Heeresspital angelangt, wollte der Häftling dringend die Toilette aufsuchen. Jetzt folgte Fehler Nummer drei: Entgegen der Vorschriften legte der Beamte seinem Schützling weder Hand- noch Fußfesseln an.

Es folgten die Fehler vier und fünf: Der Häftling sperrte sich im WC ein (was er nicht durfte) und der Justizwachebeamte begab sich acht Meter weiter in einen separaten Raum, um sich dort die Hände zu waschen.

Diesen Moment nutzte der Häftling zur Flucht durchs WC-Fenster. Aus dem zweiten Stock rutschte er über die Dachrinne ab. Nun sollte sich Fehler Nummer zwei rächen. Denn der Beamte hatte ja sein Funkgerät in der Justizanstalt vergessen. Es vergingen wertvolle Minuten, bis die Polizei via Handy über die Flucht informiert wurde. Der Häftling war zu diesem Zeitpunkt bereits über alle Berge.

Für den Justizwachebeamten endete nun das Disziplinarverfahren mit einer Geldstrafe: Ein Monatsgehalt wurde einbehalten.

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