Chronik | Wien
05.12.2011

Privatparkplatz mitten im Achten

Anfang 2012 starten in mehreren Wiener Bezirken Pilotprojekte zum Anrainerparken. Die Josefstadt ist einer davon.

Veronika Mickel hat ihr Halteverbotsschild aus Wahlkampfzeiten wieder hervorgekramt. "Ausgenommen JosefstädterInnen" steht darauf, gefolgt von einem Ausrufezeichen. 50 Prozent der Parkplätze wollte sie damals für die Bewohner des Bezirks reservieren.

Mittlerweile ist Mickel (ÖVP) Bezirksvorsteherin in der Josefstadt und sieht sich ihrem Ziel einen Schritt näher, auch wenn es nur zehn Prozent geworden sind. "Wir sind einer der Bezirke, die im Frühjahr 2012 Anrainerparken im Testbetrieb einführen werden", sagt Mickel stolz.

Jeder zehnte Parkplatz rund um das Theater in der Josefstadt (siehe Grafik) soll ab April 2012 exklusiv für Josefstädter Autos mit Parkpickerl zur Verfügung stehen. Doch warum braucht es Anrainerparkplätze? Etwa 4470 Parkplätze gibt es im Achten - bei 4035 Parkpickerln. "Das ginge sich theoretisch aus, doch wir sind ja keine Insel", sagt Mickel.
Eine Studie aus 2007 belegte eine Parkplatzauslastung von 94 Prozent im Nahbereich des Theaters in der Josefstadt. Ab 85 Prozent sprechen Experten von Vollauslastung. Mickel: "Man muss heute viel Geld für ein Parkpickerl zahlen, da sollte man auch die Chance auf einen Parkplatz haben."

Neubau

Im Nachbarbezirk Neubau hingegen laufen noch die Planungen für die Testzone. Eine Variante wäre vom Volkstheater bis zur Zieglergasse, begrenzt von Lerchenfelder Straße und Burggasse. "Im Bezirk werden aber auch eine Variante näher bei der
Mariahilfer Straße oder gar zwei Zonen diskutiert", berichtet Daniel Sverak, Klubobmann der Neubauer ÖVP.

Derzeit werden die Auswirkungen auf den Verkehr untersucht. Doch Sverak sieht es positiv, dass ein Pilotprojekt kommt. "Allerdings müssen die Wirtschaftstreibenden in den Plänen berücksichtigt werden."

Kritik kommt hingegen von Verkehrsplaner Harald Frey von der Technischen Universität Wien. "Anrainerparken macht nur in einem homogenen Gebiet Sinn, also etwa in Wohngebieten nahe einer U-Bahn-Station, wie etwa in Leopoldau. Im Achten ist das eine indirekte Aufforderung zum Autokauf", sagt Frey. Dabei wolle man ja den Autoverkehr reduzieren. Zudem brauchen die Geschäfte freie Parkflächen. Frey schlägt vor, stattdessen Kurzparker stärker zu kontrollieren. Speziell mit Handyparken sei es möglich, ungestraft mehrere Stunden in Folge auf einem Stellplatz zu stehen.

"In den Einkaufsstraßen Josefstädter Straße und Alser Straße werden sicher keine Anrainerparkplätze errichtet", beruhigt Mickel, die sich auch für mehr Kontrollen ausspricht.
Trotzdem hält sie an ihrer Mission fest: "Es wird zu oft zu viel geredet. Man muss auch den Mut haben, etwas auszuprobieren."