Chronik | Wien
14.06.2017

Preis-Diskussion: Halber Liter Wasser, belebt, mit frischer Zitrone um 4,50 Euro

Gast wunderte sich über Kosten für das Getränk. Wirt verteidigt seine Preisgestaltung.

Wie viel darf ein Zitronenwasser kosten? Ein Posting in sozialen Medien hat Anfang der Woche wieder einmal diese Frage aufgeworfen.

Erik T. ist am Wochenende im Wiener Café Raimund gegenüber dem Volkstheater eingekehrt. Er bestellte einen Toast sowie einen halben Liter Leitungswasser mit Zitrone. "Ich vertrage Kohlensäure nicht so gut", erklärt T. Schlussendlich zahlte er für das Getränk 4,50 Euro – genauso viel wie für den Toast. Es kostete zudem um 60 Cent mehr als ein Krügerl Bier. "Ich will ja nichts gratis, aber das ist schon Wucher", ärgert sich T. Es könne doch nicht sein, dass ein halber Liter Zitronenwasser mehr koste als ein Bier.

In die Karte geschaut hat T. nicht. Hätte er wohl tun sollen, denn dort ist der Preis angeführt. Daher versteht auch der Chef des Café Raimund, Reinhard Sammer, die Beschwerde nicht. Er spricht von Verleumdung. "Mir liegt es fern, irgendjemanden auszunehmen", betont er.

Im Raimund bekomme man zudem nicht einfach Wasser mit Zitronen-Konzentrat. Mit dem halben Liter erhält der Gast den Saft zweier Zitronen samt Zitronenscheiben oder wahlweise frisches Obst oder frisch geschnittenen Ingwer samt teurem Monin-Sirup, Minze und Eiswürfeln. Zudem würde man Granderwasser servieren.

Das Ganze werde auf einem Tablett im Krug mit einem Glas an den Tisch gebracht. Tatsächlich wird auch das Granderwasser in der Karte mit einem Euro pro Viertelliter angegeben. Beschwerden hätte es noch keine gegeben, meint Sammer. Wer zu seinem Essen ein Glas Wasser bestelle, bekomme dieses selbstverständlich gratis.

T. findet die Preispolitik dennoch nicht nachvollziehbar. "Minze oder Eiswürfel habe ich nicht gesehen", sagt er. Er hätte sich zudem mehr Information gewünscht, was für ein Wasser serviert wird.

Bei der Wirtschaftskammer gibt man dem Wirt Rückendeckung. "Wasser ist auch nicht kostenneutral und wofür ich zahlen muss, ist die Dienstleistung", sagt Mario Pulker, Obmann der Sparte Gastronomie. "Wie hoch der Preis ist, bleibt jedem Mitglied selbst überlassen." Pulker räumt aber ein, dass die Optik nicht die schönste ist, wenn das Zitronenwasser mehr als ein Krügerl Bier koste.

Ganz ohne Konsequenz bleibt T.s Kritik nicht. Auf der Rechnung wird das "infused water" künftig als "Erfrischungskrug" und nicht als "Krug Wasser " angeführt.