Chronik | Wien
09.05.2016

Hotspot Praterstern: Betrunkene verletzten Polizisten

Patroullierende Polizisten wurden von bis zu 50 alkoholisierten Personen eingekreist.

Wieder war der Praterstern Schauplatz eines Polizeieinsatzes. Am Sonntag gegen 20 Uhr versuchten Polizisten im Bereich des Bahnhofsvorplatzes einen Raufhandel im Obdachlosen-Milieu zu schlichten.

"Dabei wurden die Beamten von ca. 40 bis 50 augenscheinlich alkoholisierten Personen eingekreist und beschimpft", sagt Polizeisprecher Christoph Pölzl. Erst als Kräfte der Spezialeinheit WEGA sowie der Hundestaffel eintrafen, konnte die aufgeheizte Situation beruhigt werden.

Im Zuge dessen wurde ein 33-jähriger Mann festgenommen. Ein 37-jähriger Bekannter versuchte daraufhin, den Festgenommenen zu befreien. "Plötzlich wurde einer der Polizisten mit einem Faustschlag von hinten attackiert und leicht verletzt", erklärt Pölzl. Trotz heftiger Gegenwehr und wüster Beschimpfungen konnte auch der 37-jährige Mann noch vor Ort festgenommen werden.

Nach Vergewaltigung: U-Haft um vier Wochen verlängert

Indes hat das Straflandesgericht am Montag die U-Haft über jene drei afghanischen Jugendlichen um weitere vier Wochen verlängert, denen die Vergewaltigung einer 21-jährigen türkischen Erasmus-Studentin am Praterstern vorgeworfen wird. Der Haftgrund der Tatbegehungsgefahr bleibe weiter aufrecht, teilte Gerichtssprecherin Christina Salzborn mit.

Die Flüchtlinge im Alter von 16 und 17 Jahren hatten die Studentin gezielt vor der Toiletten-Anlage im Bahnhofsbereich abgepasst, um "Sex zu haben", wie einer von ihnen nach der Festnahme zugab. Sie öffneten die versperrte Kabinentür mit einer Münze, rangen die junge Frau zu Boden und hielten ihr den Mund zu, als sie um Hilfe schrie. Ihr Kopf wurde auch gegen die WC-Muschel geschlagen, als sie sich zur Wehr setzte.

Prozess gegen Jugendliche voraussichtlich im Sommer

Ende des Monats wird die Studentin kontradiktorisch als Zeugin vernommen. Damit bleibt ihr ein Auftritt in der Hauptverhandlung erspart. Es muss dann nur noch die DVD mit ihrer Aussage abgespielt bzw. das Protokoll mit ihren Angaben verlesen werden. Mit dem Prozess gegen die Jugendlichen dürfte bereits im Sommer zu rechnen sein.

Derzeit vergeht kaum ein Tag, ohne dass die Polizei über eine gewalttätige Auseinandersetzung am Praterstern in Wien-Leopoldstadt berichtet. So auch vergangenen Montag: Demnach gab es Sonntagabend vor einer Woche eine Rauferei mit mehreren Beteiligten. Als Polizisten eingriffen, zogen sich die meisten Beteiligten allerdings zurück. Ein 18-Jähriger wurde vom Griff eines Schweizermessers am Kopf verletzt.

Nach den jüngsten Vorfällen am Praterstern ändert die Wiener Polizei jetzt am Drogen-, Bettler- und Gewalt-Hotspot der Stadt ihre Strategie. Laut Statistiken werden aktuell ein Prozent aller in Wien angezeigten Straftaten (420 strafrechtliche Delikte) am Pendler-Drehkreuz in der Leopoldstadt begangen.

Die Dealerszene am Praterstern rekrutiert sich aus jungen Nordafrikanern und Afghanen. 140 Drogendelikte wurden in den vergangenen Tagen angezeigt. Sprengt die Polizei diese Szene, sollten auch die Eigentums- und Gewaltdelikte zurückgehen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Jene drei Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren, die die 21-Jährige am Wiener Praterstern brutal vergewaltigt und misshandelt haben sollen, waren nicht die ersten afghanischen Flüchtlinge, die verdächtigt werden, ein Sexualdelikt begangen zu haben. Da lassen sich leicht voreilige Schlüsse ziehen. Sind Afghanen besonders brutal? Sexuell durchtrieben? Wissen sie nicht, welche Werte in Europa hochgehalten werden? Laut Bundeskriminalamt waren 2015 tatsächlich afghanische Asylwerber jene, die am häufigsten (16-mal) wegen einer Vergewaltigung angezeigt wurden. Gefolgt von Irakern (fünf), Russen und Algeriern (je vier).Mehr dazu lesen Sie hier.

Der Praterstern: Auch nach Umbau ein Brennpunkt

Es war ein dunkler, trostloser und wenig heimeliger Ort - der alte Bahnhof Praterstern. Mit dem groß angelegten Neubau und der Aufwertung der Station durch eine weitere U-Bahn-Linie (U2) sollte damit Schluss sein. Tatsächlich ist das Gebäude inzwischen modern und lichtdurchflutet. Die Hoffnung, dass damit auch die soziale Problemen verschwinden, hat sich aber nicht erfüllt.

2008, wenige Monate vor der Fußball-Europameisterschaft, wurde der neue Bahnhof seiner Bestimmung übergeben. Drei Jahre war an der Erneuerung des Verkehrsknotenpunktes gewerkt worden. Rund 100 Mio. Euro wurden investiert. "Unsere Kunden verlangen Qualität, und das zurecht, sie zahlen ja auch dafür", hielt der damalige ÖBB-Chef Martin Huber beim Eröffnungs-Festakt fest.

Neu am Praterstern ist seither vor allem die 7.400 Quadratmeter große Überdachung der Bahnsteige sowie die Bahnhofshalle mit Geschäften und diversen Serviceeinrichtungen. Dass Bahnhöfe auch soziale Brennpunkte sind, zeigt sich aber weiterhin. Für Sicherheit soll darum Security-Personal sorgen, auch Sozialarbeiter sind im Einsatz. In der Nähe wurde zudem ein gemeinsames Tageszentrum von Stadt und Caritas eingerichtet.

Zu tun gibt es auch nach dem Umbau genug: Suchtgift- und Alkoholkranke sowie Obdachlose bestimmen vor allem zur späteren Stunde das Bild. Von einer friedlichen Koexistenz der diversen Szenen kann eher nicht gesprochen werden. Tatsächlich sind Raufereien und Diebstähle mehr oder weniger an der Tagesordnung. Immer wieder kommt es zu schweren gewaltsamen Übergriffen.