Chronik | Wien
26.09.2017

Polizei verärgert: Lenker tricksen Radar aus

13 Geräte gegen Laserpistolen entdeckt – diese werden in Markenwerkstätten eingebaut.

Beim Einbau von Schummelsoftware kennen sich die deutschen Autobauer aus. Doch nicht nur beim Diesel wird getrickst, auch Radarwarner, Laserblocker und andere verbotene Geräte wurden offenbar im großen Stil eingebaut. "Wenn man sie kauft oder einbaut, ist das nicht illegal. Es obliegt dem Fahrer, ob er sie einsetzt", sagt Martin Salway, Verkaufsleiter bei Porsche-Wien Nord.

Aufgedeckt wurde das Treiben von der Wiener Verkehrspolizei. Ein Beamter spezialisierte sich zuletzt auf die Schummelgeräte und las sich ein. "Bei den letzten Aktionen ist hie und da einer mit so einem Gerät ins Netz gegangen", heißt es. Deshalb wurden alle Wiener Verkehrspolizisten geschult und am Montag zur Schwerpunktaktion geschickt. Gleich 13 Fahrzeuge mit solchen Laserblockern und Radarwarnern wurden dabei entdeckt. "Wir waren selber überrascht", schildert ein Verkehrspolizist.

SUV und Porsche

Fast nur bei SUV waren diese Geräte verbaut, vor allem bei der Marke Porsche. Auch zwei Land Rover, ein VW und ein Audi gingen ins Netz. "Die meisten Lenker gaben an, dass ihnen dies vom Markenhändler gleich angeboten wurde. Das ist rechtlich sicher bedenklich", meint ein Verkehrspolizist. Auch der Wiener Porsche-Taxifahrer Manfred Handl bestätigt: "Ich habe im August den Porsche Panamera gekauft." Für 2500 Euro wäre so ein Einbau möglich gewesen, er entschied sich aber dagegen.

Tatsächlich ist der Verkauf und Einbau nicht strafbar. Bis vergangenes Jahr war es sogar erlaubt, so ein Gerät mitzuführen, wenn es nicht eingeschaltet ist. Lediglich der Betrieb war mit einer Anzeige von bis zu 2100 Euro Strafe bedroht. Seit Jänner ist mit der Änderung des Kraftfahrgesetzes (KFG) auch eine Strafe fällig, wenn das Gerät eingebaut ist. Wer damit erwischt wird, darf sogar seine Fahrt erst fortsetzen, wenn der Radarwarner wieder ausgebaut worden ist.

Neue Modelle

Vor einigen Jahren kursierten erste Modelle, die allerdings nicht zuverlässig waren. Der KURIER testete 2008 gemeinsam mit der Verkehrspolizei so ein Gerät, das am Ende nutzlos war. Doch zuletzt wurden die Geräte immer besser, die neueste Generation warnt ziemlich treffgenau vor Radar, Laser und sogar der Section Control. Im Innenministerium kursieren seit Monaten erste Pläne, künftig auch so genannte Lichtschrankentechnik einzuführen, mit der etwa in Deutschland Jagd auf Raser gemacht wird.

Bei der Polizei heißt es, dass die Aktion in Wien-Döbling erst der Beginn war. "Wir werden jedenfalls weitere Schwerpunktaktionen dieser Art durchführen. Außerdem werden wir mit der Wirtschaftskammer Kontakt aufnehmen, ob diese Geräte wirklich von Händlern angeboten werden", erklärt Michael Takacs, Leiter der Wiener Verkehrspolizei.

Bei Porsche Austria wird betont, dass man solche Geräte nicht generell anbietet, sondern dass "das maximal individuelle Händlerangebote" seien. Der Markt ist offenbar da. "Beim Wert der Autos, die wir angehalten haben, ist so ein Gerät nicht mehr als ein Extra", meint ein Beamter. Die Strafe über einige hundert Euro werden sich die Beteiligten auch leisten können. In Großbritannien wäre das anders, da müssen Radarbetrüger in Haft.