Chronik | Wien
05.12.2011

Polizei fordert Fahrrad-Kennzeichen

Die Kontrollen der Radfahrer durch die Polizei zeigen Wirkung. Die Exekutive will nun eine Kennzeichenpflicht.

Aktion scharf auf Wiens Radwegen. Seit Anfang Juli kontrolliert die Polizei verstärkt Radfahrer, sechs Mal gab es Schwerpunktaktionen. Insgesamt wurden 150 Organmandate ausgestellt und 150 Anzeigen erstattet, 35 davon wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss. Ein Radfahrer wurde festgenommen.

Die Liste der Verfehlungen ist lang. "Das beginnt beim Radeln auf dem Gehsteig, Missachten von Rotlicht, bis zu Fahren gegen die Einbahn", sagt Wolfgang Lang, Kommandant der Radpolizei im ersten Bezirk. "Zusätzlich haben wir auch viele Verwarnungen ausgesprochen", sagt Lang.

Elf Radpolizisten stehen unter seinem Kommando in der Innenstadt, 46 gibt es in ganz Wien. Zu wenige, findet VP-Verkehrsstadtrat Wolfgang Gerstl: "Die Zahl der Radler steigt, hier muss man mit Präventivmaßnahmen, aber auch mit mehr Radpolizisten schwarzen Schafen begegnen."

Nummerntafel

Viele Radler müssten erst über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt werden, sagt Lang: "Viele glauben etwa, dass es erlaubt ist, langsam durch eine Fußgängerzone zu radeln." Nicht nur deshalb wünscht sich Lang eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder. "Es würde unsere Arbeit sehr erleichtern, wenn die Radfahrer eine Nummerntafel am Rad hätten."

Auch die vielen herrenlosen Räder, die oft monatelang Fahrradständer blockieren, würden so leichter zuordenbar sein. Bislang jedoch gibt es europaweit keine Stadt, in der Radkennzeichen vorgeschrieben sind. Eine Kennzeichnung in der Schweiz, die Velovignette, wurde 2010 abgeschafft.

Eine klare Absage gibt es daher auch von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne): "Das wäre weit über das Ziel hinausgeschossen." Aktuell gebe es nur 6 Prozent Radfahrer in Wien. "Wir wollen die Schwelle für Radfahren möglichst niedrig halten", sagt Vassilakou, "der bürokratische Aufwand für Radler und Behörde wäre zu hoch."

"Das sind doch alles nur vorgeschobene Argumente", sagt Lang, der den Aufwand nicht so hoch sieht. Rückendeckung bekommt er von VP-Verkehrssprecher Gerstl. Er schlägt ein Pilotprojekt auf freiwilliger Basis vor, bei dem brave Radler als Vorbild für ein Miteinander im Straßenverkehr dienen sollen: "Das Projekt könnte mit Autofahrer- und Mobilitätsklubs durchgeführt werden, damit der bürokratische Aufwand anfangs nicht so hoch ist", schlägt Gerstl vor.