Der Bruder von Roman Hnila starb vor 20 Jahren. Anfang Jänner wurde dem Fahrlehrer die Pensionskonto-Erstgutschrift seines toten Bruders Robert zugeschickt: „Das hat mich getroffen. Von Sensibilität keine Spur“.

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Chronik | Wien
01/21/2015

Pension für Hunderte Verstorbene

Versicherer (PVA) schickt Pensionskonto-Briefe an Bürger, die bereits seit Jahren tot sind.

Die seit Jänner 2014 anhaltende Pannenserie beim PVA-Pensionskonto ist um eine peinliche und traurige Nuance reicher. Denn am Dienstag wurde bekannt, dass die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) Pensionskonto-Erstgutschriften auch an bereits seit Jahren verstorbene Bürger schickt.

So auch bei Roman Hnila aus Wien. Sein Bruder Robert verstarb am 30. November 1994 (die Sterbe-Urkunde liegt dem KURIER vor). Fahrschullehrer Roman Hnila erhielt im April des Vorjahrs ein Schreiben der PVA. "Der Brief war an meinem Bruder gerichtet. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass seine Versicherungszeiten nachgewiesen wurden", erzählt Hnila. Nachsatz: "Mich hat dieser Brief betroffen gemacht, ich hab’ mich über die Inkompetenz und Pietätlosigkeit der PVA geärgert."

66,66 € für einen Toten

Betroffenheit und Ärger verflogen mit der Zeit. Doch in der ersten Jännerwoche traute Herr Hnila seinen Augen nicht: "Es war wieder ein PVA-Schreiben in der Post, adressiert an meinem vor 20 Jahren verstorbenen Bruder. Ich war geschockt. Diesmal wurde die Pensionskontos-Höhe bekannt gegeben. Es waren 66,66 Euro."

Die PVA bestreitet den Vorfall nicht, versucht aber, die Problematik herunterzuspielen. Sprecherin Christina Oxner dazu: "Das sind Einzelfälle. Maximal fünf pro Jahr. Wir entschuldigen uns dafür. Aber wir können es nicht verhindern."

Von Einzelfällen kann aber keine Rede sein. Denn erst seit 2008 melden die Standesämter der PVA bundesweit das Ableben der Versicherten. Bei Personen, von deren Tod die PVA nie informiert wurde – und das waren Zigtausende Fälle – besteht die Gefahr, dass Verwandte, Freunde, Bekannte oder etwa Nachmieter den Pensionskonto-Brief der Verstorbenen zugestellt bekommen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Zustelladresse bei der PVA aufliegt.

"Verdacht der Ignoranz"

So ist es auch Gerlinde K. aus Wien passiert. "Mir wurde die Aufforderung zur Bekanntgabe der Versicherungszeiten eines mir Unbekannten zugeschickt." Frau K. kontaktierte die PVA, erklärte, dass sie den Versicherten nicht kennt und hakte die Angelegenheit ab. Trotzdem fand sie dieser Tage den Pensionskonto-Brief (23 Euro/Monat) in ihrer Post. Wieder adressiert an den ihr nicht bekannten Herren: "Es geht um Ignoranz oder Inkompetenz . Ich habe doch den PVA-Mitarbeitern erklärt, dass mir dieser Herr nicht bekannt ist. Ein Schildbürgerstreich."

Der Auszug aus dem Pensionskonto des verstorbenen Bruders von Herrn Hnila stützt den Ignoranz-Verdacht (siehe Faksimile): 19 Jahre lang – von 1994 bis 2013 – gab es keine einzige Meldungen über ein Arbeitsverhältnis. Hnila kritisiert: "Die PVA-Mitarbeiter hätten sensibler sein müssen."

Das sieht PVA-Sprecherin Oxner anders: "Versicherte die lange keine Änderungen auf ihrem Pensionskonto haben, arbeiten häufig im Ausland. Nachforschungen, ob ein Auslandsjob oder ein Todesfall vorliegt, wären ein zu großer Aufwand."

Komplizierte Fragebögen und „Drohbriefe“ an Versicherte

Die Umsetzung des Pensionskontos für alle Versicherten sorgt bereits seit 2013 für Schlagzeilen. Denn vor etwa 18 Monaten mussten die kompliziert verfassten Formulare vereinfacht werden. Schon bei den ersten zugeschickten Tranchen gab es breite Verunsicherung. Parallel dazu forderte der Versicherer von Akademikern einen Studiennachweis für jedes Semester plus Matura-Zeugnis. PVA-General Winfried Pinggera dazu: „Vielleicht waren die Fragen zu komplex formuliert.“

Schließlich wurde auch der Termin, an dem alle zukünftigen Pensionsbezieher ihr Konto kennen sollten, um mehrere Monate verschoben. Denn von 3,6 Millionen Formularen waren 2,4 Millionen fehlerhaft ausgefüllt. Ein Mitgrund war die „komplexe“ Fragestellung. Und schließlich verschickte die Pensionsversicherung RSb-Briefe, um säumige Beitragszahler – mit sanftem Druck – an die Rücksendung der Formulare zu erinnern. „Ich sah die Briefe auch als letztes Wachrütteln“, erklärt Pinggera.