Chronik | Wien
01.12.2016

Parkpickerl ohne Bürger-Befragung: Die Favoritner sind gespalten

© Bild: /juerg christandl

In Favoriten ist der Pendlerdruck extrem hoch. Ab September 2017 kommt das Parkpickerl.

"Döblings Bezirksvorsteher Adi Tiller hat jetzt ein Problem. Er weiß nicht, was er tun soll", denkt sich Favoritens SP-Amtskollegin Hermine Mospointner in die Situation des ÖVP-Bezirkschefs. Wie berichtet, ging im Nobelbezirk die Abstimmung am Montag für oder gegen das Parkpickerl denkbar knapp aus. 1005 Stimmen machten den Unterschied – Döbling bekommt keine Parkraumbewirtschaftung. Doch Tiller denkt bereits laut über partielle Pickerlzonen in Teilen des Bezirkes nach. Die Gegner werden das nicht quotieren.

Diese Problematik wollte sich Favoritens Bezirkschefin Mospointner gleich gar nicht antun. In der Bezirksvertretung (Rot, Blau, Grün, Schwarz, Neos und Gemeinsam für Wien) ging die Abstimmung mit 30 zu 29 sehr knapp pro Parkpickerl aus. Ab 4. September 2017, zwei Tage nach der Eröffnung der U 1 nach Oberlaa, bekommt der Bezirk die Parkraumbewirtschaftung.

Umstrittenes Pickerl

Parkpickerl, Favoriten, Info Veranstaltung, VHS © Bild: KURIER/Franz Gruber
Sehr zum Ärger vieler Favoritner. Denn im Bezirk gab es keine Bürgerbefragung. Dass eine solche Bürgermitsprache jedoch keinen Einfluss auf die Entscheidung der Bezirkspolitiker hat, wissen und wussten viele Bewohner nicht. Das Ergebnis dient ausschließlich als Stimmungsbarometer. Beim gestrigen Infotag in der Volkshochschule-Favoriten wurde das offensichtlich. "Ich fühle mich verarscht, man hätte uns fragen sollen", ärgerte sich Erich Radlinger aus der Inzersdorfer Straße. Sein Unmut ankert in der "ständig steigenden Gebührenlawine".

Die Frage, ob die nicht durchgeführte Pickerlbefragung der Bezirksvorsteherin politisch schaden könnte (die SPÖ liegt hauchdünn vor den Freiheitlichen) wischte Mospointner spontan vom Tisch: Die Bürger würden ganz andere Dinge ärgern, meint sie ohne ins Detail zu gehen.

Die Veranstaltung in der Volkshochschule war jedenfalls bestens besucht, und mit Plänen und Ansprechpartnern auch bestens organisiert. Der Grund ankert in der Geografie des zehnten Wiener Gemeindebezirkes. Mit 11.000 Haushalten (noch) der Spitzenreiter der 23 Wiener Bezirke betreffend Bevölkerungszahl, gibt es dichte Grätzlkultur, große Kleingartenflächen und jede Menge landwirtschaftliche Gebiete. In den dicht bebauten Grätzeln ist das Parkpickerl extrem willkommen, in den anderen Bezirksteilen nicht. Die seriöse Präsentation sollte Zweifler noch auf den Pro-Kurs bringen.

Und Bezirksvorsteherin Mospointner bezieht sich auf die wachsenden Pendlerprobleme: "Eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung ist der einzige Weg. Tausende Wien-Einpendler parken oft die ganze Arbeitswoche in Favoriten. Ich kenne sogar Fälle, wo der Dienstwagen auf dem Parkplatz am Wochenende mit dem Privat-Pkw getauscht wird. So geht das nicht."

Dass Wien-Simmering als nächster Pickerlbezirk in den Startlöchern steht, bestätigte Mospointner indirekt: "Ich stehe mit dem Simmeringer Amtskollegen in Kontakt."