Chronik | Wien
06.03.2013

Olympia, wir kommen!

Was wäre, wenn Wien die Sommerspiele 2028 austragen sollte? Der KURIER besuchte kleine Nachwuchstalente.

Alina Gottsbacher hat keine Ahnung, was Olympische Sommerspiele sind. Sie weiß nicht, wie viele olympische Ringe es gibt und wenn man ihr erzählt, dass Wiens Stadtregierung dieser Tage eine Volksbefragung zu den Themen Parkpickerl, Olympia & Co. veranstaltet, schaut das Mädchen ratlos durch die rosarote Schwimmbrille. Doch eine Sache weiß die Fünfjährige mit Sicherheit: „Ich mache gerne Purzelbäume im Wasser.“

Wenn Stadtchef Michael Häupl (SP) und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (G) noch bis Samstag zur großen Volksbefragung bitten, dann geht es auch um Kinder wie Alina. Votieren die Bürger mehrheitlich dafür, dass sich Wien für die Austragung der Olympischen Spiele 2028 bewerben soll – und die Stadt den Zuschlag tatsächlich erhält – sind Sportler wie Alina im medaillenfähigen Alter.

Polizei oder Profisport?

Alinas Mutter Natalia lacht bei dem Gedanken, dass ihre Tochter einmal am wichtigsten Sportereignis der Welt teilnehmen könnte: „Bis jetzt wollte sie Polizistin oder Schauspielerin werden. Aber warum nicht?“ Klar ist: Wenn es Rot-Grün mit der Bewerbung ernst meint, muss ein ungeahnter Ruck durch die Sportstadt Wien gehen. An einem neuen Schwimmsport-Zentrum dürfte ebenso kein Weg vorbeiführen wie an einem neuen Olympiastadion. Allein für die Bewerbung müsste die Stadt einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen. Erfolgt der Zuschlag durch das Olympische Komitee, dürften weitere zehn Milliarden Euro fällig werden, die Wien mit Partnern stemmen müsste.

„Für den Sport wäre das eine riesige Chance“, sagt Martin Brandl. Der Vorstand der Schwimm-Union Wien spricht über die Volksbefragung während die kleine Alina ihre Runden im Becken des Amalienbads zieht. „Bei den letzten Spielen traten fünf Sportler unseres Vereins an“, sagt er. Auch Brandls Tochter Nadine ging in London und Peking als Synchronschwimmerin an den Start. Dass also Alina oder eines der anderen Kinder 2028 in Wien mit dabei wären, ist für ihn alles andere als ausgeschlossen. „Auch wenn die Dropout-Quote hoch ist.“ Brandl wird jedenfalls an der Befragung teilnehmen. „Auch wenn Volksbefragungen immer die Gefahr des Populismus in sich bergen.“

Vom Reck aufs Stockerl?

Für Karin Luxbacher ist die Befragung ebenfalls ein Pflichttermin. „Auch wenn ich mir im Vorfeld mehr Informationen gewünscht hätte.“ Luxbacher sitzt auf einer kleinen Bank im Ferry-Dusika-Stadion. Ihre sechsjährige Tochter Dani macht komplizierte Aufwärmübungen. Seit einem Jahr kommt die junge Kunstturnerin drei Mal in der Woche in das Leistungszentrum im zweiten Bezirk. „Einen Wettkampf hat sie schon gewonnen“, sagt die Mutter. Der Gedanke, dass ihr Kind einmal Profisportlerin werden könnte, beschäftigt sie jedoch nicht allzu sehr. „Das wird sie irgendwann schon selbst entscheiden.“

Der 13-jährige Marvin Pum hat sich bereits entschieden. „Für mich ist eine Olympia-Teilnahme das größte Ziel“, sagt der Judoka, der drei Mal die Woche bei den Galaxy Tigers in Perchtoldsdorf auf der Matte steht. „Wenn die Spiele in Wien stattfinden würden, wäre das ein Riesenspaß.“ Sein Trainer und Ex-Olympia-Teilnehmer Thomas Haasmann sieht das ähnlich: „Es wird aber Zeit, dass nicht nur Skifahrer und Fußballer unterstützt werden. Auch Randsportarten müssen mehr Förderungen bekommen.“ Ganz egal, ob Olympia nun Wien stattfindet oder woanders.

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