Öffi-Tarife: Hintertürl bei der Preisgestaltung

U2 -VERLÄNGERUNGSSTRECKE: HÄUPL/BRAUNER
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER Renate Brauner (rechts) betont klar: Für Ellensohns Preiswünsche ist es noch zu früh.

Eine Preiserhöhung der Öffi-Tickets in Wien ist nicht vom Tisch.

Wenn Wiens grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou im vergangenen Jahr mit einer Erfolgsstory hausieren gegangen ist, dann war es zumeist die große Tarifreform bei den Wiener Linien. Seit Mai des Vorjahres kostet eine Öffi-Jahreskarte auf Drängen des grünen Regierungspartners nur 365 Euro pro Jahr.

Geht es nach den Grünen, soll sich daran 2013 auch nichts ändern. Inflation hin, Inflation her: Der U-Bahn-Tarif (zuvor kostete die Jahreskarte 449 Euro) werde heuer sicher nicht erhöht, versprach Klubobmann David Ellensohn am Mittwoch. „Das schließe ich für heuer aus.“ Immerhin habe die verbilligte Jahreskarte den Verkehrsbetrieben im Vorjahr einen Fahrgastrekord von mehr als 900 Millionen Passagieren beschert.

Ein Anruf im Büro von Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) – bei der die Wiener Linien ressortieren – genügt, um festzustellen, dass eine Preiserhöhung der Öffi-Tickets nicht vom Tisch ist. „Bei den Aussagen des grünen Klubobmanns kann es sich nur um ein Missverständnis handeln“, sagt eine Sprecherin Brauners. „Derzeit ist keine Preiserhöhung geplant, aber wir können eine Anpassung nur für das Frühjahr ausschließen. Die Aus­sagen Ellensohns sind verfrüht.“ Man wolle den 365-Euro-Jahrespreis aber so lange wie möglich aufrecht erhalten.

Heißt im Umkehrschluss: Es könnte heuer eine Tariferhöhung geben. Doch was müsste hierzu passieren? Alfred Hoch, Landesgeschäftsführer der Wiener ÖVP, kennt die Antwort: „Sie findet sich im Kleingedruckten. Die SPÖ hat der Reform nur deshalb zugestimmt, weil die Grünen im Gegenzug ihr Einverständnis zu einer moderaten automatischen Anpassung gegeben haben.“ Ähnlich also wie beim Gebühren-Valorisierungsgesetz, das Preiserhöhungen etwa beim Wasser ab einer gewissen Inflationsrate zulässt, hat sich Rot-Grün auch im Falle der Öffi-Tarife eine Hintertür offengelassen. Bei den Wiener Linien wird dies bestätigt. „Für uns sind mehrere Indizes wie der Verbraucherpreisindex maßgeblich“, sagt Sprecher Answer Lang. Andererseits hänge der Preis von der Kundenfrequenz ab. „Auf dieser Grundlage kann der Aufsichtsrat eine Anpassung, also auch eine Preissenkung, beschließen.“ Eine weitere Senkung der Tarife ist aber angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage unwahrscheinlich.

(kurier) Erstellt am
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